Glaubhaft gestaltet

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Robert Schumann und Argentinien brachte Bernarda Fink singend auf einen Nenner.

Lieder von Robert Schumann und aus Argentinien – wie passt das zusammen? Beim Liederabend in der Oper Frankfurt schlug Mezzosopranistin Bernarda Fink die Brücke, als sie erst dem Schumann-Jahr, dann ihrer Heimat Reverenz erwies. Von Eva Schumann

Sie hatte vorwiegend zarte Lieder ausgewählt und wusste Inhalte suggestiv darzustellen, Szenen glaubhaft zu gestalten, ohne jegliches Exaltierte. Natürliche Darbietung verband sie mit guter Ausstrahlung. Ihre lichte Stimme wirkte warm und rund in Tiefe und Höhe, die Intonation klar, die Phrasierung traumhaft sicher.

So erklangen Schumann-Vertonungen von Gedichten Rückerts und Robert Burns’. Stilsicher vermittelte die Sängerin Natur- und Liebespoesie. Die „östlichen Rosen“ aus dem Zyklus „Myrthen“ schienen zu duften. Beim „Jasminenstrauch“ und beim Poem „Jemand“ war der schelmische Ton anmutig getroffen. Anrührend und warm die Klangfarbe beim Minnelied „Mein schöner Stern“. Zärtlich klang das „Hochländische Wiegenlied“. Die mitreißende Klage der „Hochländer-Witwe“ mündete in fast atemlosem Flüstern. Vorbildliche Artikulation machte den Genuss vollkommen. Fesselnd die Interpretation der Maria-Stuart-Gesänge; bei den karg vertonten Liedern kam prägnant zum Ausdruck, wie diese Sängerin die Gefühle der Gefangenen nachvollzog: Heimweh, Stolz, Abgeklärtheit des Abschieds, Gebet in Todesangst.

Die Entdeckung lohnten die spanischen und argentinischen Lieder. Expressiv, teils leidenschaftlich, teils tänzerisch gab sich die „Maja dolorosa“ von Enrique Granados. Kleine Kostbarkeiten waren die Coplas von Luis Gianneo mit ihrem Einfallsreichtum. Sehnsuchtsvoll schwebte die Singstimme über der sparsamen Klavierbegleitung, mit raffinierter Zurückhaltung spanisches Kolorit versprühend.

Die „Quattro liriche“ von Luigi Dallapiccola (1948) stellten mit freier Tonalität und textorientierter Melodik hohe Ansprüche, denen die Interpretin mühelos gewachsen war. Joaquín Rodrigos „Cuatro madrigales amatorios“ vereinten Schmelz, Schlichtheit und Witz.

Mit Anthony Spiri hatte die Sängerin das große Los gezogen. Der US-Pianist, eins mit der Sängerin, schien innerlich mitzusingen. Er ordnete sich unter als Fundament, das die Stimme trug, und war doch eigenständiger Duopartner.

Der Beifallssturm wollte nicht enden. Zu Ehren von Argentiniens 200. Unabhängigkeitstag spendierte die Sängerin zwei romantische Weisen, dazwischen Schumanns „Ständchen“.

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