Götz Widmann zu Gast in der Batschkapp

Kein Blatt vor dem Mund

Frankfurt - Mit der Ankündigung, „in der ersten Hälfte spiele ich ein paar neue Lieder, die Hits können wir dann nach der Pause zusammen abfeiern, wenn ihr mehr getrunken habt“, eröffnet Götz Widmann das Konzert in der Frankfurter Batschkapp. Von Ronny Paul

Doch der Liedermacher beginnt sein Konzert dann dennoch mit einem Klassiker: „Ich hab vieles ausprobiert, heut’ weiß ich was mich amüsiert, mein Sonntagnachmittagspläsier ist Zöllner vom Vollzug abhalten auf der A4“ singt Widmann und zieht die Zuschauer gleich mit seiner amüsanten Freizeitbeschäftigung in den Bann.

Zwanzig Jahre steht der 49-jährige Wahlschweizer, Ex-Joint-Venture-Sänger und Liedermacher nun schon auf der Bühne, und macht keinen Hehl daraus, dass ihm die sich anbahnende Rente schlaflose Nächte bereite. Doch Widmann wäre nicht Widmann, wenn er das nicht in einem spitzfindigen Song verarbeitet hätte: In „Politik“, von seinem aktuellen Album, „Krieg und Frieden“, singt er, er wolle jetzt die Vorzüge der Demokratie nutzen und endlich Schluss mit der Musik machen und in die Politik wechseln. Schließlich bekäme man dort die höchsten Pensionen.

Für die Legalisierung von Marihuana

Doch dass Widmann die Bühne für den Plenarsaal verlässt, nimmt ihm keiner der Zuschauer ab. Eher noch, dass er sich weiterhin musikalisch und satirisch gegen politische Verhältnisse und für die Legalisierung von Marihuana einsetzt, wie in dem Lied „Zaubersteuer“. Widmann sinniert darin über die steuerliche Abgabe auf verkauftes Haschisch, was dem Staat, seiner Meinung nach, große Mehreinnahmen bescheren würde. Überhaupt lässt Widmann, der diesmal bei einigen Songs von der Kölner Band Billy Rückwärts begleitet wird, an den Politikern kein gutes Haar: „Immer wenn’s mich umhaut und mir schwindet der Humor, stell’ ich mir Politiker beim Ficken vor“ singen hunderte Kehlen lautstark mit.

Der Journalistin, die ihn kürzlich als „vulgäres Schwein“ bezeichnet hatte, widmete er kurzerhand das nicht ganz ernstgemeinte Liebeslied „Gudrun vom Feuilleton“. Auch im „hohen“ Alter nimmt er immer noch kein Blatt vor den Mund.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Rubriklistenbild: © Widmann (p)

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