Gossip in der Frankfurter Jahrhunderthalle

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Frankfurt - Vom Vorzeige-Riot-Grrrl zur Glitzer-Queen und nun unterwegs nach Funkytown: Beth Ditto und ihre Band Gossip sind endgültig in der Disco und auch im Mainstream angekommen, auch wenn sich mancher am Montagabend in der vollbesetzten Jahrhunderthalle in Frankfurt eher die Ohren als die zitternden Tanzbeine gerieben haben dürfte. Von Christian Riethmüller

Laut kann die Band nämlich auch. Zwei Jahre nach dem monströsen Erfolg mit der Single „Heavy Cross“, Auftritten unter anderem bei „Wetten, dass...?“ und dem dazugehörigen Adabei-Bussi-Bussi-Gewese hat das Trio seine Herkunft aus Arkansas und seine Wurzeln im Punkrock noch nicht ganz vergessen.

Die Radikalität früherer Tage, als die Band noch den Hafen 2 in Offenbach oder das Cooky’s in Frankfurt aufmischte, ist allerdings längst dahin und würde jene Teile des Publikums, die Gossip allein wegen des Hit-Albums „Music For Men“ oder der neuen Platte „A Joyful Noise“ kennen, vermutlich eher verstören.

„Standing In The Way Of Control“

Nun zielen Beth Ditto, Gitarrist Brace Paine und Schlagzeugerin Hannah Billie, unterstützt von einem Bassisten und einem Keyboarder, direkt auf die Tanzfläche, wie die ausgelassen über die Bühne der Jahrhunderthalle hüpfende Ditto gleich selbst demonstrierte. Allerdings bevorzugen Gossip, die sich vor knapp sieben Jahren mit dem famosen Song „Standing In The Way Of Control“ ins Bewusstsein katapultiert hatten, nun selbst die Kontrolle, was der Band fast zuviel von ihrer einstigen Leidenschaft nimmt, als Ditto noch atemlos gegen Paines Gitarrenriffs und Billies stoischen Beat ankreischte. Heute scherzt Ditto lieber mit dem Publikum, sucht dort ihre beiden Cousinen, wickelt sich in auf die Bühne geworfene Kleidungsstücke oder trainiert ihren kleinen Deutsch-Wortschatz.

In die Wiederholungsfalle getappt

Der erregende Disco-Soul-Gesang Dittos, der ja das Umwerfende an dieser Band ist, war zwar noch bei Stampfern wie „Listen Up“, „Four Letter Word“ oder „Get Lost“ zu vernehmen, doch sind Gossip ansonsten bereits in die Wiederholungsfalle getappt. Manchmal konnte man geradezu den Eindruck gewinnen, die Band zitiere sich pausenlos selbst, so ähnlich klang während des 95-minütigen Konzerts das Repertoire.

Da konnte auch Beth Dittos beliebtes Spiel, fremde Songs in den eigenen zu verstecken, nicht mehr viel ausrichten. Selbst wenn das Aufblitzen von Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“, Talking Heads’ „Psycho Killer“, Huey Lewis’ „If This Is It“ oder Daft Punks „One More Time“ die Musikdetektive erfreut haben dürfte, war das alles schon einmal bezwingender zu erleben. Am „Heavy Cross“ trägt die Band schwerer als gedacht.

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