Grande Dame des Klaviers hielt Hof

Frankfurt - Sie bereitete dem Pro-Arte-Zyklus „Große Interpreten“ in der Frankfurter Alten Oper alle Ehre. Denn eine große Interpretin der Werke Wolfgang Amadeus Mozarts ist Maria João Pires ohne Frage. Von Axel Zibulski

Jetzt war die so unprätentiös und zierlich auftretende Grande Dame des Klaviers im Großen Saal des Musentempels am Main zu hören, spielte mit dem Scottish Chamber Orchestra das eher selten aufgeführte Klavierkonzert G-Dur KV 453 – und begeisterte auf der ganzen Linie.

Das Spiel der 1944 in Lissabon geborenen Pianistin mischte sich in jeder Hinsicht perfekt: Ihr Anschlag verbindet gläserne Klarheit mit warmer Ummantelung, die delikaten Verzierungen beleben das Geschehen so natürlich und konsequent, dass sie damit bereits die recht konventionellen musikalischen Themen des ersten Satzes veredeln konnte. Maria João Pires traf den sommerlichen, heiteren Grundton dieses 1784 für Wolfgang Amadeus Mozarts Wiener Schülerin Barbara von Ployer komponierten Werks mit größter Eleganz. Im langsamen Satz war es die Mischung von natürlichem Fließen und glaubhaftem Innehalten, die überzeugte. Und im Finale mit seinen virtuos aufgefächerten Variationen gelangen die Wechselspiele mit dem Scottish Chamber Orchestra so ausgewogen wie lebendig: Mit Robin Ticciati, dem fast 40 Jahre jüngeren Chefdirigenten des Kammerorchesters aus Edinburgh, schien sich Maria João Pires, die zahlreiche „Bravo“-Rufe entgegennehmen durfte, ohnehin blendend zu verstehen.

Fein und spannungsvoll

Fein und spannungsvoll dirigierte der 29-jährige Londoner Robin Ticciati auch das rahmende Orchesterprogramm mit seiner programmatischen Natur-Klammer. Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ war im Tempo eher kompakt als elegisch ausgelegt, mit viel instrumentalem Feinschliff im Detail. Das „Waldweben“ der Streicher, das exzellente Solo-Horn waren Glanzpunkte in diesem „Idyll“ mit seinen Themen aus Wagners gleichnamiger „Ring“-Oper.

Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68, die „Pastorale“, war schließlich von den hohen Qualitäten des schottischen Kammerorchesters geprägt: Vorzüglich spielten, nicht nur in den Vogelstimmen-Zitaten des zweiten Satzes, die Holzbläser, die bei aller lyrischen Feinheit dank der kompakten Besetzung stets hoch präsent blieben. Organisch eingebunden statt plakativ gelang Ticciati sogar die Gewitter-Musik des vierten Satzes – eine „Pastorale“, die den unprätentiösen, natürlichen und musikalisch höchst niveauvollen Charakter dieses Pro-Arte-Konzerts bestens bekräftigte.

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