US-Band Plus/Minus im Hafen

Grandios im Kleinformat

Es sind komplexe musikalische Strukturen, die die New Yorker Band +/- (Plus/Minus) um melodiöse Popsongs herumwebt. Ohne sie jemals aufzulösen. So wirken die Stücke des aus New York stammenden Trios um den Sänger und Gitarristen James Baluyut, das zum Konzert im Offenbacher Hafen  2 in Quartettstärke angetreten ist, ausufernd und doch zugleich auf gewisse Weise kompakt.

Vor Gründung der Band 2001 friemelte Baluyut allein in seiner Wohnung mit Laptop, Sequencer und Effektpedalen. Elektronische Anteile bestimmten das Klangbild der frühen Alben. Im Konzert spielten Loops und elektronische Beats eine eher untergeordnete Rolle, wie schon auf den beiden letzten Alben.

Im Studio arbeitet die Band mit beachtlich ausgefeilten, nie überkandidelt anmutenden Arrangements. Live fallen aber nicht nur die zusätzlichen Instrumente wie die Trompete und die Pedal Steel Guitar weg, sondern das Klangbild wirkt auch viel wuchtiger.

+/- (Plus/Minus) gehen mächtig nach vorn. Mit einer drängenden, gleichwohl hochgradig ausdifferenzierten Rhythmik und einer gewaltigen Klangmacht. Anfänglich gehorchen viele Songs der von den prägenden Pixies zur Meisterschaft gebrachten Dynamik eines steten Wechsels zwischen schnell und langsam respektive laut und leise.

Andere reiten diesen Effekt zu Tode. +/- (Plus/Minus) reizen ihn lustvoll aus, doch bevor man dessen überdrüssig werden kann, sind sie schon wieder woanders. Ihr Spektrum ist, obschon am Ende der Eindruck alles andere als der einer buntscheckigen Beliebigkeit ist, ein weites, bis hin zu einer Art Crooner-Ballade in der Zugabe. Der Gitarrist Patrick Ramos singt seinen eigenen Text selbst. Mit einer speziellen musikalischen Charakteristik ist das allerdings nicht verbunden. Überhaupt scheint es bei +/- (Plus/Minus) primär um das verschworene Kollektiv zu gehen, in das sich ein jeder einbringt, und nicht um individuelle Formen der Selbstdarstellung. So gehorcht dann auch alles, bis hin zum Einsatz von Effektgeräten, der strengen Maßgabe einer zwingenden Notwendigkeit, ohne zu nüchtern abgezirkelt zu erscheinen. Es mögen kleine Popsongs sein. Aber es ist große Popmusik. STEFAN MICHALZIK

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