Das größte Abenteuer des Lebens

Auf dem Wasser fühlte sich von Goisern so wohl, dass er ein Buch darüber geschrieben hat.

Hubert von Goisern (55), österreichischer Vollblutmusiker und Naturbursche, gibt im Gespräch mit unserer Mitarbeiterin Bianka Rehn Auskunft über sich, sein Umfeld, sein neues Album „S’Nix“, die aktuelle Tournee, seinen Auftritt am 5. April in Offenbach und Zukunftspläne.

Frage: Wie denken Sie über den Verlauf Ihrer Karriere? Sind Sie zufrieden?

Hubert von Goisern: Ja, bin ich. Ich hadere ungern mit dem, was mal war oder ist – und lasse Vergangenes eben Vergangenes sein.

Denken Sie, Sie haben mit Ihrer Mischung aus Rock und traditioneller Volksmusik einen Stein ins Rollen gebracht, der eine musikalische Bewegung nach sich zieht?

Ja, ich denke schon, dass ich etwas ausgelöst habe. Es gibt bestimmt einige Künstler, die an das Konzept anknüpfen, Volksmusik neu, dennoch mit Zugang zu Traditionen zu erfinden.

Auf Fans wirken Sie eher natürlich und zurückhaltend. Wie ehrgeizig sind Sie?

Ich bin schon sehr ehrgeizig und will auch Anerkennung für das, was ich mache. Nächstes Jahr möchte ich dennoch gern eine Pause einlegen. Heute muss man leider viel Öffentlichkeitsarbeit betreiben, um von den Leuten gehört zu werden – das kostet viel Zeit.

Woraus schöpfen Sie Kraft, wer spendet Ihnen Momente der Ruhe und des Friedens?

Natürlich meine Familie; ich habe zwei Kinder. Aber auch Freunde helfen mir, Ruhe zu finden. Ich bin aber auch sehr gern allein in meinem kleinen Haus. Dort befinde ich mich in der Natur. Das hilft mir auch sehr, mich zu entspannen und Energie aufzutanken.

Manche halten Ihr jüngstes Album „S'Nix“ für gewöhnungsbedürftig und sehr modern und wünschen sich alte Bierzelt-Hits wie „Koa Hiatamadl“ zurück? Was sagen Sie den alten Fans?

Ich würde ihnen sagen: Seid mir nicht böse. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, und ich bin einfach zu neugierig, als dass ich bei einem einzigen Musikstil bleiben möchte. Auf meinen Konzerten sind Hits von früher ebenso vertreten wie neuere. Man muss sich schließlich immer wieder überwinden, in Bewegung zu bleiben und nicht zu bequem zu werden. Das „S’Nix“ lässt sich mit einem Haus vergleichen, dessen Räume leer sind. Und dieses Nichts ist eben doch nicht Nichts. Sondern Raum für unzählige neue Ideen. Denn das ist erst interessant: Das Nichts zu füllen.

Sie haben erklärt, dass Sie dies als das „Größte und Bedeutendste, das Inhaltsvollste“ sehen – „außer der Liebe“? Was ist damit gemeint?

Die Liebe ist etwas Außergewöhnliches. Das Gefühl geliebt zu werden, mit all seinen Stärken und Schwächen, ist wie Medizin. Auch die Geborgenheit und das Gefühl der Zuneigung machen die Liebe zu etwas Besonderem.

Welches Stück auf dem neuen Album gefällt Ihnen persönlich am besten?

Mit Liedern ist es wie mit eigenen Kindern: Man liebt jedes auf seine Weise. Manchmal eins mehr oder auch weniger. Wenn ich dennoch konkret eins nennen soll, dann ist das „Siagst as“, das ich mit Xavier Naidoo gesungen habe.

Können Sie schon etwas über Ihr neues Buch verraten?

Ja. Darin geht es um die letzten drei bis vier Jahre meines Lebens, die ich auf einem Schiff verbracht habe. Es handelt sich um ein Logbuch, das ich während dieser Zeit geführt habe. Aber auch Anfang und Ende der Reise werden geschildert. Der Trip war die spannendste Zeit meines Lebens.

Was würden Sie machen wenn es die Musik nicht gäbe?

Ein Leben ohne Musik kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe jedoch hin und wieder mit dem Gedanken gespielt, alles an den Nagel zu hängen, weil ich immer noch stark an Lampenfieber leide. Eventuell würde ich jungen Künstlern bei ihrer Musik helfen wollen. Auch das Schreiben hat mir gefallen.

Haben Sie bereits Pläne für die Zukunft?

Im Moment habe ich keine. Sehr gern würde ich mal auf Hochdeutsch singen, was nicht leicht ist, wenn man nur Österreicher im Team hat. Dafür müsste ich mich für längere Zeit in hochdeutsche Gebiete begeben und vielleicht sogar meine Musiker wechseln. Viele Wörter klingen für mich auf hochdeutsch völlig verfremdet, deshalb wäre die Umsetzung womöglich nicht einfach.

Wie haben Sie das Konzert im vergangenen Jahr in Offenbach in Erinnerung, und was würden Sie Ihren Offenbacher Fans gern mitteilen?

Den Auftritt am Mainufer habe ich noch sehr gut in Erinnerung, da ich am nächsten Tag sehr krank wurde. Meine Fans haben mich sicher nicht so gut in Erinnerung, da ich gegen Ende des Auftritts nicht mehr wiederkommen konnte, weil es mir so schlecht ging. Doch durch Willensstärke und Antibiotika habe ich es zum Glück bis zum Ende geschafft. Bei meinen Fans möchte ich mich noch einmal entschuldigen. Jetzt freue ich mich darauf, wieder in Offenbach aufzutreten – hoffentlich gesund.

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