Große Gefühle, die Gänsehaut erzeugen

Sie singt von Frühlingsgefühlen, von jungen Kerlen, von Lebenslügen, „von Gott, Tod und Teufel“. Am liebsten aber von großen Gefühlen, von Leidenschaft und ganz unverblümt von Sex: Georgette Dee, dieses schillernde Fantasiegeschöpf aus der Chansonszene, das übers Wochenende im Mousonturm Frankfurt mit neuem Programm Station gemacht hat. Von Maren Cornils

Mag Dee dabei auch ihrem musikalischen Begleiter Terry Truck untreu geworden sein und mit Jürgen Attig (Bass) und Roland Cabezas (Gitarre) zwei weniger bekannte, aber nicht minder begabte Musiker zur Seite haben – sich selbst ist die Chanteuse mit dem losen Mundwerk und dem Hang zur Polygamie auch mit 50 treu geblieben.

Und so tut Dee, was sie am besten kann: mit rauchiger Stimme und jugendgefährdendem Witz über das Leben sinnieren, ihre mal melancholischen, mal jazzigen, immer Gänsehaut erzeugenden Lieder singen und dazwischen gemütlich eine paffen. Sie singt mal auf Englisch, mal auf Deutsch, bedient sich diverser Klassiker wie „Like A Bird On A Wire“, verleiht diesen aber den unnachahmlichen Dee-Sound.

Da kommt „The Lady Is A Tramp“ als extrem schräge Kakophonie daher. Dann singt die Künstlerin „All Of The Sad Young Men“, einen herzzerreißenden Blues über geplatzte Lebensträume und die Kunst, in Würde alt zu werden. Eine Angst, die Georgette Dee zu kennen scheint, auch wenn sie auf der Bühne munter die leidenschaftliche Femme fatale gibt und mit Schlafzimmerblick, barfuß im Samtgewand, über Bettgeschichten plaudert.

Das ist bei aller Selbstdarstellung vorwiegend vergnüglich. Doch der Höhepunkt sind die Lieder der Künstlerin, die in „Dee Magic Music“ beweist, dass Lebenserfahrung gepaart mit atemberaubend vielseitiger Stimme und klugen Texten eine unwiderstehliche Mischung ist. Obwohl sich Dee nachsagen ließe, dass sie sich gern bei anderen, vornehmlich englischen Sängern und Komponisten bedient – gegen den Schauer, den einem die Songs über den Rücken jagen, kann sich auch an diesem Abend kaum einer wehren!

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