Große Namen und neue Gesichter

Cellistin Alisa Weilerstein ist als „Artist in Residence“ viel gefragt.

Es ist seine sechste Frankfurter Spielzeit. Und noch immer gerät Chefdirigent Paavo Järvi ins Schwärmen, wenn er die Entwicklung des hr-Sinfonieorchesters Revue passieren lässt, zur internationalen Spitzenformation gereift.

Vielfalt ist Trumpf, wie die 70 Konzerte der kommenden Saison signalisieren. 17 Gastauftritte in europäischen und anderen Metropolen bis hin nach Tokio und Seoul, aber auch zwischen Wiesbaden und Kassel sowie diverse Kammermusikprogramme: Über mangelnde Beschäftigung können die hr-Sinfoniker nicht klagen.

In der Alten Oper setzt Järvi seinen Bruckner-Zyklus mit der 8. Sinfonie fort. Erstmals zu Gast ist der russische Pianist Denis Matsuev mit Liszts 2. Klavierkonzert. Die Mahler-Reihe bringt dessen 1. und 7. Sinfonie beim Rheingau Musik Festival, das vom hr-Orchester mit Orffs „Carmina Burana“ eröffnet wird.

Ebenfalls ein Thema: Carl Nielsen, dessen 6. Sinfonie erklingt. Solistin ist Hilary Hahn mit dem Violinkonzert von Mendelssohn. Auch als Schubert- und Richard-Strauss-Interpret kann das Publikum den Dirigenten erleben. Große Solisten sind die Geiger Viktoria Mullova und Frank-Peter Zimmermann, Pianist Jean-Yves Thibaudet sowie Schlagwerker Martin Grubinger.

Erstmals steht Fabio Luisi am Pult (Werke von Strauss, Alban Berg und Schumann). Gastdirigenten sind auch Bertrand de Billy mit einem Beethovenkonzert, Peter Eötvös, Marin Alsop und Sakari Oramo. An seinen früheren Arbeitsplatz kehrt Hugh Wolff zurück, der ein Ravel-Programm zu dessen 75. Todestag gestaltet.

Zeitgenössische Musik erhält neuen Stellenwert

„Artist in Residence“ ist die Cellistin Alisa Weilerstein, seit ihrem Debüt bei den Berliner Philharmonikern kein Geheimtipp mehr. In vier Projekten will sie sich bei diversen hr-Reihen in Sendesaal und Alter Oper als Solistin wie als Kammermusikerin profilieren. Eine Kaderschmiede ist die Debüt-Reihe. Darin stellt sich Joshua Weilerstein vor, Alisas Bruder.

Als Sieger des Dirigentenwettbewerbs Sir Georg Solti leitet der Spanier José Luis Gomez nicht nur das erste Debüt-Konzert, sondern erhält auch eine Dirigier-Assistenz, ermöglicht durch eine Spende der Hertie-Stiftung. Gomez kümmert sich um Projekte für Kinder und Jugend – erstmals in Kindertagesstätten.

Zur hochkarätigen Reihe hat sich „Barock+“ gemausert, verbunden mit Namen wie Reinhard Goebel, der in „Gruppenbild mit Vater“ die Bach-Familie beleuchtet, und Jean-Christophe Spinosi, der nicht nur dirigiert, sondern mit Janine Jansen das Doppelkonzert von Vivaldi spielt. Uraufführungen gibt es im „Forum Neue Musik“ wie in den Sinfoniekonzerten, wo ein Offenbacher, der in Nieder-Roden aufwuchs, neue Töne beisteuert.

Jens Joneleits „Im Sog“ ist ein Auftragswerk. Wie überhaupt zeitgenössische Musik in einem dreitägigen Festival neuen Stellenwert erhält, dank des Kulturfonds Frankfurtrheinmain. Und dann werden die hr-Sinfoniker noch dem großen Film-Spielberg und seinem Komponisten ein Denkmal setzen – klanglich im 3D-Format...

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