Der Grübler und das Punkmädchen

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Adel Tawil

Offenbach - „Das ist natürlich Blödsinn!“, sagt Adel Tawil zu dem Trennungsgerücht. „Ich rede schon seit Weihnachten von meinem ersten Solo-Album und darüber, dass Annette ein Buch schreiben will“, erklärt der Sänger des Popduos Ich+Ich im Gespräch mit unserer Zeitung. Von Kathrin Rosendorff

Und dass sie nach ihrer „Gute-Reise“-Tour eine Pause machen, sei normal. „Man kann ja nicht gleich wieder ins Studio gehen.“ Bei dem Solo-Album werde Annette Humpe ihn unterstützen. „Wir arbeiten auch dort kräftig zusammen. Also keine Spur von einer Trennung!“ Adel Tawil (31) und Annette Humpe (59) können sich überhaupt sehr gut leiden. „Wir waren ja immer nur das merkwürdige Paar für Außenstehende.“ Für die beiden habe der Altersunterschied nie eine Rolle gespielt.

„Bei Annette habe ich nicht das Gefühl, meine Mama sitzt mit im Studio. Sie ist eher so etwas wie eine große verrückte Schwester, mit der ich ernste Themen besprechen kann, aber auch sehr, sehr viel lache“, beschreibt Tawil seine Kollegin. „Annette ist einfach das kleine Punkmädchen geblieben.“ Und so findet er es traurig, dass er immer allein auf Konzertreise muss. Annette Humpe vergeht vor Lampenfieber. Nur einmal war sie mit, bei der ersten Tour. Da hatte sie eine Wette verloren.

„Sinnkrise-Lieder sind schön zu singen.“

Zum aktuellen Album „Gute Reise“, das alle Liebesphasen und Sinnkrisen bedient, sagt Tawil: „Dieses Album ist noch entlarvender. Außerdem besitzt Annette das große Talent, dass der Zuhörer sich in den Texten wiedererkennt. Das macht es so besonders. Ich bin ein Grübler, aber ein positiv denkender Mensch.“ Da hilft wohl auch, dass er mit Bikram-Yoga angefangen hat. „Das ist Yoga bei 40 Grad. Durch das Schwitzen fühlt man sich wenigstens ein bisschen wie ein Mann“, sagt er. Und scherzt, wenn es mit der Sangeskarriere nicht weiterginge, „könnte ich Guru werden, das ist doch ganz cool und hat ja einen gewissen Sexappeal“.

Die Sinnkrise-Lieder seien schön zu singen. „Soundmäßig haben wir zum ersten Mal die Live-Band, mit der ich in den letzten zwei Jahren auf Tour war, mit auf der Studioplatte vermischt.“ Die Lieder, die Humpe solo singt wie „Danke“, versuche er „elegant auf Tour zu umschiffen“. „Ich überlege, eine Nummer selbst zu singen, außerdem habe ich ja immer einen Backgroundsänger am Start.“ In „Yasemin“ sei ein bisschen seine Verlobte Jasmin Weber gemeint. Sie hat für den Berliner mit den tunesisch-ägyptischen Wurzeln ein bisschen Arabisch gelernt, erzählt er. „Dabei spreche ich selbst kein perfektes Arabisch. Gerade war ich in Kairo, da wurde ich ganz schnell als Ausländer entlarvt.“

„Die Texte sind doch nicht Mist.“

Auf die Frage, ob er Kritiken liest, entgegnet Tawil: „Ja, neulich habe ich im ,Stern’ gelesen, dass ich eine weinerliche Stimme habe. Da denke ich erst: du Penner. Dann: Vielleicht hat er recht.“ Aber wenn jemand die Texte als „musikalischen Weichspüler“ kritisiert, wird er wütend. „Die Texte sind doch nicht Mist. Ich kann solche Zeilen nicht schreiben. Annette sitzt sehr intensiv daran und feilt oft wochenlang an kleinsten Wörtern“, sagt er. „Unser Erfolg liegt hauptsächlich in unseren Texten begründet.“ Das würde wohl auch Gewichtheber Matthias Steiner unterzeichnen, der zu Musik von Ich+Ich für Olympia trainiert habe.

Ich+Ich gastiert am 22. April in der Frankfurter Festhalle.

Vor kurzem hat Tawil, der oft mit Cassandra Steen singt und einen Hit mit dem Frankfurter Rapper Azad hatte, sich einen neuen Duettpartner gesucht: Rapper Sido. Zusammen sind sie bei „MTV unplugged“ aufgetreten. „Sido hat mich gefragt. Ich habe mich gefreut. Er ist ein netter Kerl.“ Mit Justin Timberlake könnte er sich vorstellen, mal was zu singen. Ende der 90er, als Tawil in der deutschen Boygroup „The Boyz“ sang, startete Timberlake seine Karriere. „Justin ist supernett und auf dem Boden geblieben. Ich habe ihn bei seiner Deutschland-Tour wiedergetroffen. Er konnte sich an mich erinnern und wie wir in Berlin abhingen.“ Auch in Frankfurt plant Adel Tawil auszugehen. Wohin, das weiß er noch nicht. „Aber auf jeden Fall eher Hiphop-mäßig.“

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