Steinberger Tafelrunde

Gute Arbeit im Weinberg der Mönche

Sie ist eine Kultveranstaltung, ein halbes Jahr im Voraus ausverkauft. Logistisch stellt sie die größte Herausforderung des Rheingau Musik Festivals dar. Die Musik ist begleitender Natur; es kommt auf das Ganze an: Auch die 13. Steinberger Tafelrunde geriet zum Gesamtkunstwerk! Von Markus Terharn

Nicht nur deshalb mochte sich mancher statt im Weinberg des Klosters Eberbach auf Bayreuths Grünem Hügel wähnen. Ertönte doch waschechter Wagner, kühn für vier Alphörner uminstrumentiert. Verdis Triumphmarsch, Webers Jägerchor oder den St. Louis Blues, zu schweizerischen Erfindungen erklärt, intonierte ein Quartett auf den unfallfrei gehandhabten Fünf-Meter-Rohren so klangschön wie erstaunlich virtuos.

Auch das Trio Macchiato mischte sich mitten unter die Menge. Und erzählte dort mit süßer Geige und seelenvollem Gesang (Jana Mishenina) und beweglichen Akkordeons (Jacob Neubauer) auf solidem Rhythmus-Fundament (Henry Altmann) die dramatische Ballade „Hijo de la luna“. Weckte mit „Azzurro“ Sehnsucht nach bella Italia. Oder ließ mit tänzerischen Einlagen Füße im Takt zucken.

Auf der Bühne sorgten The Bel Airs für die rummeligeren Elemente. Diese fünfköpfige Band mischte Swing mit Beat, Rock mit Ska, ließ den Boogie rollen und „Tequila“ fließen. Ausflüge ins Oldie-Repertoire verführten zum Mitsummen.

Als Musiker Stanislaw Doblonski leitete Robbi Pawlik die bedauernswerte Eva Maria Michel in der Verkleidung eines biegsamen Kontrabasses durch die Reihen. Ergänzt wurde Basso doble durch das Duo Kanal, bei dem Etta Piel als Brillenschlange den bemitleidenswerten Jörg Tammo Reelfs heraus- und herunterputzte. Eine choreografische Meisterleistung war die Verpflegung der Gäste, eine technische Errungenschaft die gleichmäßige Beschallung der 1430 Meter langen Tafel.

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