The Ten Tenors in der Jahrhunderthalle

Gute Laune im Gepäck

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Frankfurt - Zehn frohgemut-fesche Troubadoure lassen den heißen australischen Sommer hinter sich, um im kalten deutschen Winter „die tollsten Fans der Welt“ mit erlesener Sangeskunst zu beglücken. Von Peter Müller

The Ten Tenors haben das Beste vom Broadway und gute Laune im Gepäck, in der Jahrhunderthalle gibt’s dafür frenetischen Applaus. Der überaus sympathische Australien-Zehner tourt mit seinem „On Broadway“-Cocktail mit erstaunlich verlässlichem Erfolg durch Europa - obwohl oder vielleicht gerade weil die Ten Tenors seit einem TV-Casting 1995 eine Art „Ensemble in progress“ sind, das quasi jede Saison frische Gesichter präsentiert.

In 2015 sind da etwa klangvolle Namen wie Sebastian Maclaine, Scott Muller oder Keane Fletcher gelistet - durch die Bank junge Schwiegermutter-Träume im schicken Smoking, die man nicht nur wegen ihrer Physiognomie schwerlich mit Pavarotti verwechseln kann. Aber die Crossover-Boygroup, die in Frankfurt mit der swingenden „New York“-Hommage aus Bernsteins erstem Musical „On the Town“ (1944) eröffnet, klingt durchaus imposant. Vor allem dann, wenn die Song-Auswahl passt.

Anekdoten und Choreographien

Was allerdings bei „Impossible Dream“ (aus „Man of La Mancha“), den unvermeidlichen „West Side Story“-Evergreens oder beim eindrucksvollen „Falling Slowly“ (aus dem hochgelobten 2007-er Alternativ-Musical „Once“) bestens funktioniert, muss nicht auch bei der pathetischen Fußballhymne „You Never Walk Alone“ oder bei Irvin Berlins „Cheek To Cheek“ gelingen.

Immerhin, die von zwei Musikanten (Keyboard/Piano, Schlagzeug) und ziemlich viel Playback-Sound unterstützten Mannen haben neben Anekdoten offenbar fleißig Choreographien eingeübt. Beim Jersey-Boys-Medley (mit Four-Seasons-Hits wie „Can’t Take My Eyes Off You“, „Sherry Baby“ oder „December 63“) und beim einzig wirklichen „New York, New York“-Klassiker schwingen sie die Hüften oder wahlweise das Tanzbein in „Cabaret“-Manier.

Clueso-Konzert in der Jahrhunderthalle

Konzert von Clueso in der Frankfurter Jahrhunderthalle

Überhaupt bietet das Repertoire für jeden etwas: Schmachten mit „Bring Him Home“ (Les Misérables), ein Rock-Placebo mit Queen und „Somebody To Love“, Trauer-Schmerz mit Cohens „Hallelujah“ oder „Lai-Lo-Lai“-Seligkeit mit „The Boxer“: Alles drin im bunt gefächerten Programm - auch wenn noch nicht abschließend überliefert werden konnte, in welchem Musical der olle Leonard und Simon & Garfunkel denn inzwischen verwurstet sein sollen. So kleinlich muss man das ja auch nicht nehmen, Hauptsache die Stimmung steigt. Und das tut sie bis zum umjubelten Finale mit den Hexen von Oz und „Defying Gravity“ kontinuierlich. Zugaben? Ein ganzer Strauß, garniert mit anschließendem Get together und Autogrammstunde im Foyer.

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