Gute Schwingungen

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Hubert von Goisern ist an der Ziehharmonika in seinem ureigenen Element.

Hanau - Ein um fünf Minuten verspäteter Beginn des Konzerts ruft bereits Pfiffe hervor. Reichlich übertrieben. Denn da kommt er schon, der Alpen-Boss an der Ziehharmonika. Von Anke Steinfadt

Mit einem unter die Haut gehenden Solo holt er das Publikum aus dem Hanauer Amphitheater direkt in seine Welt ab. Die Welt des Hubert von Goisern! In ihr verbinden sich auf einzigartige Weise österreichische Volksmusik und internationale Musikstile. Da geht die Maultrommel zum Funk, Kuhglocken zum Ska und der Jodler zum Blues. Pop, Rock, Polka, Country, Reggae kommen hinzu. Alles verschmilzt der 59-Jährige zu einem organischen und authentischen Ganzen. Das einzig Künstliche an diesem Abend ist der Nebel, der von Beginn bis zum Schluss über die Bühne wabert.

Hubert von Goiserns langjähriges Markenzeichen, der Drache, wacht wie üblich im Hintergrund, in einem goldenen Barock-Rahmen. Über den Köpfen der Musiker baumeln moderne Lampenschirme. Reduziert ist, im Vergleich zu den vorangegangenen Tourneen, diesmal die Besetzung: Gitarre (Severin Trogbacher), Bass (Helmut Schartlmüller) und Schlagzeug (Alex Pohn). An Druck und Rauschhaftigkeit mangelt es dennoch nicht. Die Band leistet Großes.

Nach den ersten Stücken „Indianer“ und „Suach da an andern“ vom aktuellen Album „EntwederUndOder“ kommt Bewegung ins Publikum, was Hubert von Goisern erfreut kommentiert. Gute Schwingungen sind ihm wichtig – zwischen den Menschen ebenso wie zwischen den Nationen. Diente die groß angelegte „Linz Europa Tour“ von 2007 bis 2009 vor allem doch der Völkerverständigung innerhalb des sich nach Osten erweiternden Europas.

Musik ist die Sprache von Hubert von Goisern

Musik ist seine Sprache. Während die mundartlichen Texte nur ansatzweise zu verstehen sind und die Botschaften vorwiegend mit dem Herzen empfangen werden müssen, bemüht sich Hubert Achtleitner, wie der aus Bad Goisern stammende Musiker bürgerlich heißt, bei seinen Ansagen stets um Verständlichkeit. Es wäre auch schade, wenn die Lästereien, beispielsweise über Heilige, oder Anekdoten an der Sprachbarriere scheiterten. Sogar einen Einblick in die Fanpost und darin formulierte absurde Vorwürfe gewährt er. Er lese alles, egal, ob E-Mail oder handschriftlicher Brief, sagt er. „Nur antworten tu i net.“ Wer will es dem Musik-Alchemisten übel nehmen.

Ein großer Teil der Besucher ist nicht zum ersten Mal bei einem Konzert des „Goiserers“, wie Fans ihn nennen. Das verraten die Reaktionen. Routiniert werden Mitmach-Vorgaben aufgegriffen und Refrains mitgesungen, vor allem bei Repertoire-Klassikern wie „Weit, weit weg“, „Heast as nit“ oder „Koa Hiatamadl“. Dem großen Hit aus dem Jahre 1992 folgt direkt der aktuelle „Brenna tuat’s guat“, mit dem sich Hubert von Goisern nach langer Zeit wieder einen Platz eins in seiner Heimat sichern konnte und es in Deutschland unter die Top Ten schaffte.

Bei Balladen setzt er sich häufig ans Keyboard. Intime Momente entstehen so. Er spielt Gitarre, Mundharmonika, Maultrommel. Doch am schönsten ist es, wenn er zur Ziehharmonika greift, die niemand „Akkordeon“ nennen sollte, der dem Österreicher per Fanpost ernsthaft etwas über deren Wirkung mitteilen möchte.

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