Guter Ton gegen Daseinskrise

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Sein Werk steht im Mittelpunkt des „Auftakt“-Festivals: Komponist Pierre Boulez eröffnet die kommende Saison an der Frankfurter Alten Oper.

„So lange wir ein so engagiertes Publikum haben und die Sponsoren bei der Stange bleiben, kann uns nichts passieren.“ Fromme Worte des Alte-Oper-Intendanten Michael Hocks, dessen Optimismus freilich ansteckend wirkt. Denn guter Ton ist die beste Therapie in Daseinskrisen. Und dafür hat der erfolgreiche Manager des ehrwürdigen Frankfurter Kulturpalasts bestens vorgesorgt. Von Klaus Ackermann

Weltklasse-Orchester und –Solisten werden den Musentempel auch in der nächsten Saison beschallen, darunter allein vier junge Geigerinnen mit Julia Fischer an der Spitze, die sich auch kammermusikalisch in Szene setzen. Die Riege großer Sängerinnen reicht von Cecilia Bartoli bis hin zu Edita Gruberova, Waltraud Meier und Christine Schäfer.

Auf 334 Veranstaltungen mit etwa 463 000 Besuchern blickt die Alte Oper 2008 zurück, was beim konzertanten Eigenbau im Bereich Klassik eine Sitzplatz-Auslastung von 81 Prozent bedeutet, bei der „Unterhaltung“ waren es 79 Prozent. 17 Millionen betrug das Gesamtbudget in der vergangenen Saison, rund 12,5 Millionen Euro wurden eingenommen – Kartenverkauf, Vermietung, Fördermittel der Gesellschaft der Freunde der Alten Oper und von Sponsoren. Um 1,5 Prozent hat man die Abonnementspreise jetzt angehoben.

Ihr Kommen angekündigt hat auch Pianistin Martha Argerich.

Dafür ist schon beim traditionellen „Auftakt“-Festival mit langjährigen Partnern wie dem Hessischen Rundfunk, der Frankfurter Museumsgesellschaft, Pro Arte, dem Chamber Orchestra Of Europe, dem Ensemble Modern und der Jungen Deutschen Philharmonie allerhand los. Im Mittelpunkt der 17 Veranstaltungen stehen der Avantgarde-Komponist und Bayreuth-Dirigent Pierre Boulez sowie Pianist Pierre-Laurent Aimard. Beide verbindet das von Boulez gegründete Pariser Ensemble InterContemporain, in dem Aimard 18 Jahre lang die Tasten drückte, ein auch von Alfred Brendel hoch geschätzter Pianist. Neben Konzerten beleuchtet ein Symposium das umfassende Instrumentalwerk von Boulez. Gastspiele von Orchestern wie den Berliner Philharmonikern (Simon Rattle), dem Gewandhausorchester Leipzig und dem Israel Philharmonic (Riccardo Muti) sind ebenso angezeigt, die Schülerkonzerte mit Gerd Albrecht und dem Landesjugendorchester Hessen wollen junge Leute an die Klassik heranführen.

An den Main zurück kehrt Verdi-Spezialist Paolo Carignani, langjähriger Frankfurter Generalmusikdirektor, mit der NDR Radiophilharmonie und einem Richard-Wagner-Programm. Sicher spannend auch die Konzerte mit New York Philharmonic und dem von Antonio Pappano geleiteten Orchestra dell’ Accademia Nazionale di Santa Cecilia Roma. Die Academy of St. Martin in the Fields leitet Murray Perahia vom Klavier, Solistin des SWR Sinfonieorchesters ist die Pianistin Martha Argerich – wenn sie denn kommt. Es gibt ein Wiedersehen mit Eliot Gardiner (in Verbindung mit den Bach-Konzerten) sowie mit dem London Symphony Orchestra und Valery Gergiev.

Unterhaltung bieten die üblichen Verdächtigen von Max Raabe bis Helmut Lotti. Nicht zu vergessen: die Wertmarke JazzNights. Zur Jahreswende wird das Musical „Elisabeth – Die wahre Geschichte der Sissi“ in die Alte Oper einziehen. Und zwar in einer Neuinszenierung von Harry Kupfer. Der hat Frankfurt entdeckt, führt Regie auch in einer ganz anderen Nummer, in Hans Pfitzners Oper „Palestrina“, die am 7. Juni am Willy-Brandt-Platz herauskommt. Wenn das kein Kontrastprogramm ist …

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