Mal guter Kumpel, mal Charismatiker

Reamonn rockten die Frankfurter Jahrhunderthalle: Alle Achtung, das rockt: Bei Reamonn wird richtig was geboten fürs Geld. Schon das Vorprogramm kann sich sehen lassen.

Erst fetzt der Holländer Roel VanVelzen mit seiner Band stilistisch ähnlich wie der Haupt-Act los, dann geht es nahtlos auf der zweiten Bühne mitten im Publikum weiter mit dem Iren SJ MC Ardle. Der ist mit Akustikgitarre und zweiköpfiger Begleitband ein wenig ruhiger, aber Luft holen ist nötig. Denn nach kurzer Pause beginnt die Orgie in Bombast und Licht. „This is not my Faith“, schmettert Rea Garvey den Fans in der Frankfurter Jahrhunderthalle entgegen – auf die Musik der Band kann sich das nicht beziehen. Denn was Garvey und seine Truppe zelebrieren, kann nur rüberbringen, wer an sich und seine Musik glaubt.

Der Ruf einer hervorragenden Liveband geht Reamonn voraus – und er ist absolut gerechtfertigt. Musikalisch bieten die fünf Musiker beste Kost, die aber keinen Moment perfektionistisch-steril rüberkommt, sondern sich den direkten Weg in Bauch und Beine des Publikums bahnt. Der eine große Pluspunkt der deutsch-irischen Band ist ihre Wandlungsfähigkeit: Mal zelebriert sie hymnischen krachenden Hardrock, mal gefühlvolle Balladen, mal Pop, immer eingängig, immer mit Ohrwurmcharakter. Der zweite Pluspunkt ist Sänger Rea: Mal Geschichten erzählender Kumpel, mal Frontmann mit ausladenden Gesten, hat er die Zuschauer jederzeit voll im Griff. Und egal, ob die Band nun im Lichtermeer steht und im Hintergrund Videoeinspielungen flimmern oder ob sie auf der kleinen Bühne mitten im Saal Clubatmosphäre vermittelt, sie verkörpert das, was bei Musik das Wichtigste ist: Spaß und Authentizität.

Bleibt nur eine Frage: Warum spielt eine Gruppe, die von ihren bisher fünf Studioalben weit mehr als drei Millionen verkauft hat, nicht in den ganz großen Hallen? Die Show braucht jedenfalls keinen Vergleich zu scheuen und würde auch in großen Arenen wirken. Andererseits: So intensiv wie in der Jahrhunderthalle wäre das Konzert dann nicht mehr. Und so sehr man es Reamonn wünscht, dass es nächstes Mal die Festhalle sein möge, so sehr freut man sich auf ein weiteres derart packendes Konzert wie dieses ...

(Markus SCHaible)

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