Gutes kommt nicht nur aus London

Man gibt sich gern, ganz britisch, traditionsbewusst: Als ältestes Orchester Englands weist sich das Hallé Orchestra Manchester aus. Das 1858 von dem Dirigenten Charles Hallé gegründete Ensemble gastierte jetzt anlässlich einer kurzen Deutschland-Tournee in Köln und Frankfurt. Von Axel Zibukski

Dort kombinierte man in der Alten Oper eine englisch kolorierte musikalische Rarität mit zwei Repertoire-Klassikern: Unter der Leitung seines musikalischen Direktors Mark Elder hatte das Hallé Orchestra dem zweiten Klavierkonzert von Franz Liszt und der achten Sinfonie Antonín Dvoráks die Konzertouvertüre „In the South“ von Edward Elgar vorangestellt.

Launiges und melodisch-gefälliges Werk

Nicht der britischen Herkunft des Hallé Orchestra und Elgars, sondern einer Italien-Reise des Komponisten ist die 1904 uraufgeführte Ouvertüre verpflichtet – ein launiges, melodisch-gefälliges und mit Trommelwirbel sowie reichlich Blech-Einsatz auch etwas oberflächliches Werk. Für das Orchester aus Manchester freilich war das Stück ein idealer Stichwortgeber für einen tadellosen bis mitreißenden Einstieg in dieses Pro-Arte-Konzert.

Dass daraufhin das nicht weniger auf Virtuosität und Brillanz zielende Klavierkonzert Nr. 2 A-Dur von Franz Liszt durch Eleganz und technische Makellosigkeit veredelt wurde, dafür sorgte der französische Pianist Jean-Yves Thibaudet: Unbeschwert klangen bei ihm die locker gespielten zahlreichen kleinen Notenwerte, eher markant als massiv wirkten die Akkordketten, die Anschlagsnuancen des französischen Pianisten garantierten eine bereichernde Ausfärbung des einsätzigen Werks. Wirklich subtil wirkte freilich allein die Zugabe Thibaudets in Gestalt eines Walzers von Frédéric Chopin.

„Schottische Sinfonie“ als Zugabe

Mit einer für Trennschärfe sorgenden Orchesteraufstellung – die Violoncelli rechts neben den ersten Geigen, die Kontrabässe im Hintergrund – interpretierte Mark Elder als Hauptwerk des Konzerts Antonín Dvoráks achte Sinfonie G-Dur op. 88. Völlig frei von programmatischen Bezügen als englische Sinfonie kursierend, klang sie in der an Tempo und Elan reichen, eher transparent als üppig besetzten Wiedergabe so unprätentiös und frisch, wie auch durchweg das Dirigat Elders wirkte.

Gute englische Orchester kommen eben nicht nur aus London – die Gäste aus Manchester dankten für den Beifall mit dem Scherzo aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Schottischer Sinfonie“.

Rubriklistenbild: © Segovax / Pixelio

Kommentare