Händel und Bach voller Sinnlichkeit

Die Gäste aus Ravenna berufen sich auf die byzantinische Tradition der Stadt. Einen Monarchen scheint die Accademia Bizantina aber nicht zu brauchen. Es musiziert so einmütig, dass ein Blick Ottavio Dantones genügt, es vom Tasteninstrument aus zu steuern. Nicht zu vergessen der fabelhafte erste Geiger Stefano Montanari; der die Truppe geradezu tänzerisch inspiriert.

Bei ihrer Interpretation von Concerti grossi und Solokonzerten Bachs und Händels demonstrierte die Accademia, was Konzertieren heißt. Ein fließendes Gespräch der Instrumentalgruppen und Solisten, in dem sich das Tutti zurücknimmt, das Concertino nicht vordrängt.

Die Accademia pflegt einen sinnlichen, expressiven Stil – weit entfernt von den theorielastigen Anfängen der Originalklang-Bewegung. Zugleich ließ die Virtuosität staunen. Bachs a-Moll-Violinkonzert und das d-Moll-Doppelkonzert BWV 1043 spielten Solisten und Ensemble mit atemberaubender Technik, stets im Dienste der Klangrede, des Ausdrucks, der Schönheit. Ein italienischer Bach war zu hören, zu Recht, hat er doch die Konzertform bei den Italienern studiert. Die zu Anfang gespielte Sinfonia mit obligater Orgel aus der Kantate BWV 49 ist ebenfalls ein Konzertsatz, der einer früheren Komposition entstammt.

Händels sangliche Sätze spielte die Accademia ausdrucksvoll. Dantone war Solist im Orgelkonzert F-Dur op. 4,3 und im g-Moll-Concerto op. 4,3 mit lebhaftem, virtuosem Spiel. Beim Concerto B-Dur op. 6,7 wechselte er zum Cembalo-Continuo. Hier brachte das Ensemble die opernhaften Affekte zur Wirkung und leistet sich mit der Hornpipe, bei aller wirren Rhythmik des trunkenen Seemanns, ein Kabinettstückchen. EVA SCHUMANN

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