Händels Kur in Offenbach

„Wassermusik – Händel, Telemann, Brahms und Kagel kuren in Offenbach“ war das Programm des Offenbacher Ariadne Projekt Ensembles im Hafen 2 angekündigt. Von Reinhold Gries

Ein „Kurkonzert“ im 250. Todesjahr Händels war’s nicht, was 14 Vokalisten mit Leiterin Theresa Buschmann und Pianistin Miriam Altmann aufführten. Die von Dramaturgin Ingunn Wittkopf arrangierten szenischen Lesungen hätten für zwei Abende gelangt und gerieten nach fast drei Stunden zur Konditionsprobe für Mitwirkende wie Zuhörer.

Bewundernswert die Leistung Altmanns, richtungweisend ihre Begleitung von Händels „Arkadischen Duetten“ am Cembalo (mit selbstgesetztem Generalbass) und von Brahms’ Harmonisierungen am Flügel. Atemberaubend ihre fliegenden Wechsel zwischen den Instrumenten, glanzvoll ihre Soli.

Bei Händels „Aria con variazioni“ auf dem Cembalo hielt sie perfekt die Balance zwischen zierlichem Thema und anmutigen Variationen. Am Flügel holte sie bei Brahms’ Variationen über jenes Thema groß aus. Sie spielte sie die Klavierkomposition (ohne die Fuge) in drängenden Triolen, sanften Vorhalten, geheimnisvollem Oktavenkanon, ungarischem Rhythmus oder als Marsch. Traumhaft wechselte sie von schreitenden Bewegungen zu kraftvollen Akkordballungen, zuweilen hämmernd, dann voller Gefühl. Dem Riesenbeifall jagte sie eine skurrile Kagel-Oktavierung des Themas am Cembalo hinterher.

Fast gefielen die Brahms-Versionen besser

Professionell das homogene Auftreten der Vokalisten, in drei italienischen Händel-Duetten für Sopran und Alt auf zwei gemischte Chorgruppen verteilt. Erst erklang die deutsche, harmonisierte Brahms-Version mit Pianobegleitung, danach die tiefer gesetzte italienische Urversion mit Cembalo. Die Gegenüberstellung verblüffte. Fast gefielen die Brahms-Versionen besser.

Herausragend die Sopranistinnen Theresa Buschmann und Renate Fresow, denen sich andere Soprane und Werner Hocke anschlossen. Prächtig, wie sich die Altlage um Talib Richard Vogl, Rudolf Klemisch und Christine Moore in rasanten Tempi und schwierigen Koloraturen behauptete. Anlaufprobleme bei der Motette „Selig sind die Toten“ von Telemann waren ausgeräumt, obwohl mancher auch bei der Wiederholung Brahms zu hören glaubte.

Mehr als Wortintermezzi sollten die Rezitationen und Dialoge um die wiedererstandene Brunnenhalle der Kaiser-Friedrich-Quelle sein. Es ging um Fontanes „Brunnenpromenade“, das „Badeblatt der Curstadt Offenbach“ mit dem „labbrigen Kurwasser“, Künstlerpech, „Kuren leichtgemacht“ und „Ich fress einen Kapaun“. Trialoge zwischen Winfried Pult als Brahms, Vogl als Händel und Jörg Echtler als Telemann, ergänzt um Buschmann als Kagel, langweilten nie. Lesungen zu Briefen, Telemanns Biografie, Händels Physiognomie, Offenbach als Industrie- und Badestadt oder Programmen von Kurkonzerten waren informativ bis unterhaltsam – aber für einen Abend zu viel.

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