Norweger auf dem Sprung

Offenbach - An Mount Washington ist wirklich alles schlüssig und perfekt, von der Musik bis zum stilbewussten Auftreten – und das wiederum nicht im tödlichen Übermaß. Von Stefan Michalzik

Velochrome aus Köln, die das Konzert im Offenbacher Hafen 2 eröffneten, folgen Mount Washington zwar nicht unmittelbar auf den Fersen. Das Quartett um Sänger und Songwriter Tobias Sawitziki, das einen gewissen amateurhaften Charme versprüht, vermag aber mit seinem hallig-klirrenden Gitarrenpop durchaus für sich einzunehmen. Die Musik, die an den Indierock der achtziger Jahre anknüpft, wirkt altmodisch, das aber in einer vitalen Weise.

Erst recht über die Retrodebatte erhaben sind Mount Washington

Die zuvor als Washington firmierende Gitarrenfolkpopband wurde 1999 im nordnorwegisch-arktischen Tromsø als Trio um den Sänger und Gitarristen Rune Simonsen, den Bassisten Andreas Beddari Høyer und Esko Pedersen am Schlagzeug gegründet. Im vergangenen Jahr ist sie nach Berlin übergewechselt. Auf ihrem jüngsten, schlicht nach dem neuen Bandnamen benannten Album sind die Synthesizer eingezogen. Mit mehr oder weniger starker Prägewirkung. Live treten sie als Quintettstärke auf.

Da stehen adrette Männer auf der Bühne, denen jegliches Machotum fern zu liegen scheint, derweil sie musikalisch genau wissen, wo’s langgeht. Nicht geändert hat sich die Fokussierung auf harmonisch-melodiöse Popsongs. Das wirkt alles ausgesprochen aufgeräumt und keine Spur zu glatt. Rune Simonsens hohe Stimme holt weit aus, ohne sich gleich ins Pathos zu steigern. Die Elektronik, zum Teil kommen alte Analogsynthesizer zum Einsatz, liefert oft nicht mehr als einen harmonischen Hintergrund, in einzelnen Songs aber tritt sie markanter hervor, gar mit flirrenden Sounds, die jedem Housetrack zur Ehre gereichten,schließlich auch mit einem Hammondorgelsound in Spätsechziger-Jahre-Manier.

Womöglich befindet sich die runderneuerte Band auf dem Sprung zum großen Erfolg. Das Zeug dazu haben sie.

Rubriklistenbild: © Tewordt

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