Im Stil eines Soul-Klassikers

Eli „Paperboy“ Reed, gerade mal 27 Jahre alt und in braunen Vintage-Anzug gekleidet, atmet mit jeder Faser Fünfziger-Jahre-Flair und macht solche Enttäuschung mit seiner Band The True Loves in knappen neunzig Minuten vergessen. VonFerdinand Rathke

In echten Zwiespalt geraten Soul-Überzeugte, wenn sie sich entscheiden müssen: Längst in Rente gegangene oder gar schon verstorbene Pioniere oder aber aktuellem Retro-Nachwuchs wie Duffy, Amy Winehouse, Sharon Jones oder Aloe Blacc den Vorzug zu geben, der einen Tag zuvor im Frankfurter Mousonturm seltsam affektiert mit lustloser Begleitformation ein wenig positives Beispiel abgegeben hat, was Soul heutzutage leisten kann. Eli „Paperboy“ Reed, gerade mal 27 Jahre alt und in braunen Vintage-Anzug gekleidet, atmet mit jeder Faser Fünfziger-Jahre-Flair und macht solche Enttäuschung mit seiner Band The True Loves in knappen neunzig Minuten vergessen. Eigentlich nur auf Sparflamme fährt die Besetzung ohne die sonst übliche dreiköpfige Bläsersektion mit Keyboards, Bass, Schlagzeug und Gitarre. Auch geizt Reed auf enger Bühne mit Show-Manierismen

Rufus Thomas, Otis Redding, Wilson Pickett, James Brown, Joe Tex, Arthur Conley, R. B. Greaves, der junge Stevie Wonder und vor allem Sam Cook sind nur einige Vorbilder, die einem auf Anhieb einfallen. Wer Reed auf seine Favoriten anspricht, bekommt gänzlich andere Namen zu hören: „King Floyd, Tyrone Davis sowie Mel & Tim hörte ich pausenlos, als ich an meinem dritten Album ,Come And Get It’ werkelte“, lässt der nach getaner Arbeit am Verkaufstisch freundlich für Autogramme und Gespräche zur Verfügung stehende Künstler wissen.

Wenn er in Fahrt gerät und alles perfekt macht, angefangen von Songstruktur über Stimmphrasierung und Harmoniefolgen bis hin zu authentischen Texten, wirkt er wie die Reinkarnation eines vor Jahrzehnten aktiven Soul-Klassikers. Sein punktgenaues Timbre und akzentuiertes Gitarrenspiel mit traumhaften Riffs und Licks klingen so souverän, als wäre er schon seit Urzeiten in sämtlichen Kaschemmen entlang des Mississippi aufgetreten. Ob Motown im Uptempo wie „Name Calling“, die Gänsehaut erzeugende Ballade „Pick Your Battles“ oder ein Kracher namens „Explosion“ – es verblüfft, wie selbstverständlich sich Eli „Paperboy“ Reed durch die Stilpalette von Soul, Funk, Blues und Rhythm’n’Blues bewegt.

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