Handgemachte Stimmungslieder

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Kevin Costner genießt das Ambiente – sein Publikum ist begeistert.

Offenbach - Musiker, die sich als Schauspieler versuchen, Schauspieler, die sich als Musiker versuchen: Oft genug bleibt es bei mäßigem Erfolg der Zweitkarriere. Und, ganz ehrlich, auch bei Kevin Costner haben wohl nur die Wenigsten an mehr als ein kurzes Intermezzo gedacht. Von Markus Schaible

Doch mittlerweile hat der, der mit dem Wolf tanzte und Whitney Houston als Bodyguard beschützte, mit seiner Band Modern West das dritte Album veröffentlicht. Und obwohl seine Musik nicht unbedingt ultramodern ist – für Stimmung sorgt sie, wie jetzt im Offenbacher Capitol.

Dabei scheint Costner selbst nicht so ganz an sich zu glauben. Warum sonst müssen die Zuschauer (hervorragend in Fahrt gebracht vom Duo The Alternate Routes) erst zehn Minuten Filmausschnitte mit den heldenhaftesten Szenen des Mimen über sich ergehen lassen, bevor gerockt wird? Dabei vergisst jeder nach den allerersten Sekunden, dass der Mann noch etwas anderes ist als Rockmusiker. Mit seiner ausgezeichneten Band fetzt Costner los, als hätte er nie etwas anderes gemacht.

Seine Songs mögen in der Gänze nicht die Qualität eines Bruce Springsteen, John Mellencamp oder Bryan Adams haben, doch sie gehen direkt in die Beine. Und Ohrwürmer sind zur Genüge dabei. Egal, ob es ganz trivial um die Liebe und die Suche nach dem richtigen Mädchen oder tiefgründig um traumatisierte Soldaten nach dem Kriegseinsatz geht – Costner und Band sind jeden Augenblick authentisch.

Erdig, kantig, schweißtreibend, rau und vor allem handgemacht: Die Band haut einen Kracher nach dem nächsten raus und gönnt dem begeisterten Publikum kaum eine Pause. Costner genießt das Ambiente und die frenetischen Reaktionen, lässt immer wieder die Saalbeleuchtung anschalten, um seine Fans zu sehen. Die klatschen begeistert mit, egal ob ein älterer Song erklingt oder ein Lied vom nagelneuen Album „From where I stand“ (auf dem übrigens eine Deutsche namens Nena ein Duett mit Costner singt).

Zum Schluss, nach 90 kraftvollen Minuten, lässt sich Kevin Costner minutenlang mit einem Sektglas in der Hand feiern. Und es sieht so aus, als sei er jetzt von sich überzeugt.

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