Glücklich im Hier und Jetzt

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Erfolg und Niederlage hängen zusammen, das hat der ehemalige Leistungssportler während seiner Ski-Karriere erfahren - und zehrt davon noch heute.

Frankfurt - „Das Beste zum Jubiläum“ heißt Hansi Hinterseers Tournee, die ihn am 27. Februar in die Frankfurter Jahrhunderthalle führt. Gemeinsam mit seinen Freunden vom Tiroler Echo spielt der Superstar des volkstümlichen Schlagers zum zwanzigsten Bühnenjubiläum auf.

Zuvor aber feiert er am 2. Februar seinen 60. Geburtstag.

Ist der 60. Geburtstag ein besonderer Grund zum Feiern?

Der Geburtstag ist mir nicht wichtig. Die Gesundheit ist das Um und Auf, alles andere passt dann schon. Ich fühl mich recht gut beieinander und habe bei dem, was ich tue, einen Riesenspaß. Ich denke, das spielt alles eine Rolle. Nicht, welcher Jahrgang im Ausweis steht. Und es ist natürlich auch ein bisserl Glückssache.

Beschäftigt Sie das Älterwerden trotzdem?

Nein. Ich genieße jeden Tag, das Leben mit der Familie, wie die Kinder groß werden. Ich versuche stets, alles noch ein bisschen besser zu machen, Freude zu bringen mit meiner Musik.

Wenn Sie in der Zeit reisen könnten, wohin ginge es?

Wenn man versteht, den Augenblick zu genießen, hat man am meisten gewonnen. Ich bin niemand der zurückschaut oder die Zukunft wissen mag. Man sollte die Vergangenheit, Traditionen und Dialekte am Leben halten, indem man sie pflegt und darüber spricht. Wie sollen die jungen Leute wissen, wie wichtig unsere Wurzeln, das Miteinander und eine intakte Natur sind. Bräuche sind zum Beispiel Teil der Kultur, der Herkunft und der Identität. Sie machen jeden einzelnen von uns aus, so wie wir gerade jetzt im Leben stehen. In unserer schnelllebigen, konsumorientierten Welt gehen jahrhundertealte Bräuche und Werte leicht verloren. Wenn wir das, was wir von unseren Eltern und Großeltern gelernt haben nicht bewusst vorleben und an unsere Kinder weitergeben, denn sie sind unsere Zukunft, dann werden wir Respekt, Anstand, Nächstenliebe und Toleranz tatsächlich bald nur noch in der Vergangenheit und im Museum bewundern können.

Hatten Sie ein Vorbild fürs Leben?

Das war und ist mein Großvater, der beide Weltkriege miterlebt hat. Er gehörte zu einer Generation, die die Schaufel in die Hand genommen und etwas aufgebaut hat. Was er sagte, hatte Bestand. Auch für mich. Er hat mich gelehrt, dass man mit wenig zufrieden sein kann, solange man mit sich selber im Reinen ist.

Vor 20 Jahren haben Sie erstmals eine Platte aufgenommen. Hätten Sie sich vorstellen können, zwei Jahrzehnte später so erfolgreich zu sein?

Ich habe damals nicht mal am ersten Tag daran gedacht, dass es mich als Sänger noch in der nächsten Woche gibt. Denn das alles ist aus einem Jux heraus entstanden, es war vor allem ein Spaß-Projekt. Mein Hauptmotiv war, dass ich als Sportler eine Platte machen wollte wie vor mir Franz Beckenbauer, Toni Sailer oder Karl Schranz.

Es heißt: Je länger man erfolgreich ist, desto einfacher wird es - wie ist es bei Ihnen?

Das muss nicht so sein, denn es gilt auch: Je mehr Erfolg du hast, desto mehr Gegner hast du.

Wie beschreiben Sie das Gefühl, das Sie auf der Bühne haben?

Ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn’s wieder losgeht. Auf der Bühne bin ich kein bisschen aufgeregt. Es ist wirklich ein tolles Gefühl, besonders auch international, vor so vielen Leuten auftreten zu dürfen. Bei Konzerten bekomme ich unmittelbar Feedback, ob mir meine Lieder gelungen sind, ob sie auch wirklich ankommen.

Gab es Tiefpunkte in Ihrem Leben?

Aber klar. Einen Tiefschlag bekam ich in meiner Sportlerzeit bei Olympia 1976 in Innsbruck. Ich war Favorit beim Riesentorlauf. Bis mich eine Verletzung aus der Bahn schmiss, hatte ich selbst an den Sieg geglaubt. Ich wurde vom Favoriten und Publikumsliebling zum Buhmann der Nation, angespuckt und mit Schneebällen beworfen. Da ist für mich viel zusammengebrochen.

Schwarzenegger, Lauda und Co. beim Hahnenkamm-Rennen

Schwarzenegger, Lauda und Co. beim Hahnenkamm-Rennen 2013 in Kitzbühel

Können Sie mit Niederlagen umgehen?

Wie ich mit Niederlagen umzugehen habe, hat mich der Sport gelehrt. Erfolg und Niederlage hängen zusammen. Wenn du gut in Form und gesundheitlich beieinander bist, kann vieles klappen. Aber es kommt die Zeit, in der dir mal die Kollegen oder später dann die jungen Leute davon fahren. Wenn du das weißt, ist es kein Problem. Man muss eben wieder aufstehen und weiter machen.

Alle zwei Jahre gehen Sie auf Tournee, in diesem Jahr sind Sie mit „Das Beste zum Jubiläum“ wieder über vierzig Mal in sieben Ländern auf der Bühne. Wird Ihnen das nicht manchmal zu viel des Guten?

Ich stehe unglaublich gern auf der Bühne und versuche das in meinen Konzerten rüberzubringen. Wenn es mir gelingt, das Publikum aus dem Alltagseinerlei zu holen und zum Lachen, Tanzen und Singen zu animieren, ist ein Konzert gelungen. Es ist ein beiderseitiges Geben und ein Nehmen.

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