Harfe und Engelsklänge

„Orgel wird in der Kirche gespielt, Harfe aber von eigenem Personal im Himmel“, gab Pfarrer Hinnerk Müller beim gut besuchten Konzert in Offenbachs Erlöserkirche vor. Von Reinhold Gries

So klang das, was Jenny Ruppik auf ihre Doppelpedalharfe spielte. Alles andere als ruppig wirkte ihr abwechslungsreiches Solo im Impromptu Des-Dur des Franzosen Gabriel Fauré. Gekonnte Arpeggiaturen und perlende Läufe, hingehauchte Tupfer und Glissandi kontrastierten mit kraftvollen Akkordkaskaden. Lyrische Klangbäche und rauschende Strudel beruhigten sich in breitem Strom.

Von Ruppiks farbenreichen Introduktionen, Intermezzi und Begleitungen profitierten die Sängerinnen Johanna Krell und Sina Oskedra. Dass sie hierzulande kaum Konkurrenz haben, war an Originalstücken und Bearbeitungen populärer Paradearien zu hören. Wie Krell mit Händel verwachsen ist, demonstrierte sie im Solo „Lascia ch’io pianga“. Mit Ruppik ließ sie Kantilenen barock fließen, steigerte sie zu berührendem Seelengesang, um fast übermütig artistische Verzierungen einzustreuen. Was Oskedras kraftvoller Sopran im hinreißenden Duett mit Krells lyrischem Mezzo aus dem Händel-Hit „Ombra mai fu“ machten, war nicht das Gewohnte. Das lag auch an Ruppiks einfühlsamer Begleitung.

Es folgten weniger bekannte italienische Virtuosenstücke. Giovanni Francesco Giuliani ist als Gitarrenkomponisten bekannt; hier waren sechs originale „Duetti Notturni“ zu hören, die sich singtechnisch anspruchsvoll mit Spielarten des Verliebtseins befassen. Das ging von köstlichen Harmonien des Largo zu tänzerisch leichtem Allegretto, von fast mozartischem Larghetto bis zu rokokohaftem Andante. Zauberhaft, nicht ohne feine Ironie, gelangen dem Trio die Canzonetten aus Cherubinis „La Liberta à Nice“. Sie erzählten eher vom Ende der Liebe. Herrlich gelöste Dialoge, dramatische Aufwallungen, engelsgleiche Dialoge zwischen Stimmen und Harfe, weite Sprünge und enge Verwirblungen: In italienischen Opernhäusern hätte das für Bravo-Rufe gesorgt.

Nach verinnerlichtem „Ave Maria“ von Saint-Saëns setzten die Damen mit Puccinis Schmachtfetzen „O mio babbino caro“ und Offenbachs berühmter „Barcarole“ unterhaltsame Schlusspunkte. Dabei harmonierten die in Farbe und Charakter verschiedenen Stimmen perfekt auch mit der Harfe, ohne Klischees zu bedienen. Das sorgte ebenso für leuchtende Augen wie die Zugabe – Rossinis hinreißend buffoneskes Katzen-Duett.

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