Bilder aus guten Zeiten

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Einer sucht immer nach Freiheit: Der amerikanische Sänger und Schauspieler David Hasselhoff beim Tourneestart in der Frankfurter Ballsporthalle.

Schlicht vergessen machen möchte David Hasselhoff, amerikanischer Schauspieler und Sänger, die Debakel und Skandale vergangener Jahre. Stattdessen möchte er mal wieder als Künstler überzeugen. Von Ferdinand Rathke

Helfen wollen bei der diffizilen Rettungsaktion, die seit Wochen unter dem vollmundigen Motto „The Hoff Is Back“ die Runde macht, allerdings nur 1900 überwiegend jugendliche Besucher. In Horden scharen sie sich mit Foto-Handys um „K.I.T.T.“, das sprechende Auto aus Hasselhoffs erstem TV-Serien-Hit „Knight Rider“, das im Regen vor der Frankfurter Ballsporthalle steht. Nüchtern sind die wenigsten der ausgelassenen Fans, die sich zumindest teilweise zünftig als muskulöser „Baywatch“-Bademeister, kaum erkennbares Pamela-Anderson-Double verkleidet oder in mit Lichterketten bekränzte Lederblousons geschmissen haben. Schließlich ist es bis zu den tollen Tagen ja auch nicht mehr lange hin.

Mit einiger Verspätung startet das recht aufwändige Spektakel – begleitet von zwei Leinwänden, die mit Impressionen längst vergangener Tage geradezu überlaufen. Doch auch 14 Musiker und Tänzer stehen parat, um den in insgesamt neun verschiedenen glamourösen Verkleidungen präsenten 58 Jahre alten Veteranen nach Leibeskräften zu unterstützen.

Wechselspiel aus Alt und Neu

Nachdem Hasselhoff im jugendlichen Motorrad-Outfit quer durch die halbleere Halle auf Tuchfühlung mit seinen getreuen Anhängern gegangen ist, steht zum Auftakt schon „Looking For Freedom“ auf dem Programm. Jene unverwüstliche Wende-Hymne, die der Mime 1989 mit Inbrunst beim Fall der Mauer sang und die zu jenem Zeitpunkt eigentlich schon ein alter Hut war.

Wer glaubt, der künstlerische Tiefpunkt wäre mit der Schmonzette, sieht sich allerdings getäuscht. In einem Wechselspiel aus Alt und Neu singt, rockt und schluchzt sich der Künstler durch ein beispielloses Repertoire: „Is Everybody Happy?“, „Flying On The Wings Of Tenderness“, „Gipsy Girl“ und „Crazy For You“ heißen Songs, die sich in Arrangement und Harmonie seltsam an populäre Gassenhauer anlehnen, aber das Klassenziel dann doch knapp verfehlen.

Untermalt wird das nicht nur durch ein mehr als dreiviertelstündige Pause ins Stocken geratene Show-Paket durch Tanzeinlagen, Feuerspucken, Skaten und ein balladeskes Duett. Nur die angekündigten Hasselhoff-Töchter Taylor-Ann und Hayley-Amber lassen sich nicht blicken. Auch Material aus seinem für April geplanten Album „A Real Good Feeling“ gibt’s auf die Ohren. Musikalisch zu überzeugen versteht David Hasselhoff abseits von Publikumspolonaisen und Kollektivsuff auch: Mit der Swing-Ballade „This Time Around“, der Pariser Bistro-Impression von „Heartbreak Café“ und „Secret Agent Man“, der Melodie eines TV-Hits, in dem der ehemalige Hollywoodstar aber nicht mitwirkte.

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