Hausbesuch bei Pippis Bruder

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Daniel Küblböck, ganz ohne schräges Outfit und Heul-Attacken: Mit 23 hüpft er nicht mehr wie eine wild gewordene Ente über Casting-Bühnen privater Fernsehsender und spaltet die Nation, sondern betreibt seine eigene Künstleragentur in Rüsselsheim.

Daniel Küblböck ist der große Bruder von Pippi Langstrumpf, lebt ebenfalls in der ja ziemlich geräumigen Villa Kunterbunt, und als wir bei ihm klingeln, öffnen uns ein Äffchen und ein Pferd. So in etwa haben wir uns das jedenfalls vorgestellt. Von Markus Wölfelschneider  

Nun stehen wir unter der hübschen Stuckdecke einer stilvoll eingerichteten 140-Quadratmeterwohnung im Wiesbadener Westend und merken, dass von diesen Vorurteilen kein einziges stimmt. Es empfängt uns ein drahtiger Junge in schwarzen Röhrenjeans, grauen Chucks und einem dezent karierten Hemd: Daniel Küblböck sieht aus wie der coole Posterboy einer aufstrebenden Indie-Rock-Band. Doch auch dieser Eindruck täuscht.

Wir schreiben schließlich das Jahr Sechs nach der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“, die der gebürtige Niederbayer mit schrillen Outfits und quietschigen Schlagerpoptönen klar dominierte. Am Ende landete er (hinter Alexander Klaws und Juliette Schoppmann) trotzdem bloß auf Platz Drei. Heute unterhält der 23-Jährige sein Publikum mit einer gar nicht mal so schrägen Mischung aus Jazz und Blues. In seinem Wohnzimmer lehnt die Akustik-Gitarre von Fender am Schrank, mit der er manchmal komponiert. Hier sitzen wir auf einem schicken Rolf-Benz-Sofa und naschen Krokant-Schokoküsse. „In Bayern werden die übrigens Bumsköppe genannt, kein Witz“, sagt Daniel Küblböck. „Diese hier stammen allerdings aus einer Fabrik bei Hanau.“

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Das Rhein-Main-Gebiet kennt Küblböck schon ganz gut. „In Frankfurt lässt es sich ausgezeichnet shoppen und in Mainz gibt es viele Studenten“, weiß er. In Offenbach hat er mit seinem schwarzen Mini-Cooper mal jemanden zum Kieferorthopäden gebracht. Von Nürnberg nach Wiesbaden ist er gezogen, um dem Stau auf der A3 zu entkommen, dem er früher ausgesetzt war, immer dann, wenn er in seine Künstleragentur „Positive Energie“ fuhr, die er in Rüsselsheim betreibt. Seit knapp vier Monaten lebt er nun in Hessen und fühlt sich hier sichtlich wohl.

Er hat es ja auch wirklich schön in seinen eigenen vier Wänden: Die Einrichtung ist eine Kombination aus Ikea-Möbeln, Design-Klassikern und originellen Accessoires. Im Arbeitszimmer steht eine bronzene Buddha-Statue, in der Küche ein schnuckeliges Schaukelpferd. Manche Liebhaberstücke hat Küblböck auf dem Flohmarkt aufgestöbert, andere überließ ihm sein Opa, mit dem er ein Faible für Antiquitäten teilt.

„Zwanzig Wohnungen habe ich mir angeschaut und eine Maklerin durch ganz Wiesbaden gehetzt, bis ich fündig wurde“, sagt Küblböck. Ihm gefällt diese Stadt. „Viele Musiker, die ich kenne, verschlägt es nach Berlin, Köln oder Hamburg. Wiesbaden hingegen ist angenehm unverbraucht. Hier gibt es tolle Vorkriegshäuser, viele Esoterikläden, prächtige alte Kinos - und kaum Prominente.“ Vielleicht haben ihn seine neuen Nachbarn deshalb auch auf Anhieb erkannt. Im Haus genießt er trotzdem keinen Promi-Bonus. Im Gegenteil: „Als ich zum ersten Mal den Hof betrat, kam gleich ein älterer Mann auf mich zu, um mir freundlich aber bestimmt einen Besen in die Hand zu drücken.“Während Daniel Küblböck all das erzählt, knarzt hin und wieder die weiße Altbautür über das Parkett und einer seiner beiden Britisch-Kurzhaar-Kater schiebt sich schnurrend durch den Spalt: Mal erscheint der schwarze Anakin (nach Anakin Skywalker) im Wohnzimmer, mal ist es der graue Maxwell, den Küblböck nach einem der Protagonisten aus der US-Comedy-Serie „Die Nanny“ benannt hat. Diese TV-Serie mag Küblböck.

Auch die aktuelle DSDS-Staffel guckt er sich gerne an. Dass sich die Kandidaten der Casting-Show, sein Favorit ist Daniel Schumacher, beim Singen seit neuestem mit diversen Mutproben herumschlagen müssen, findet Küblböck nur konsequent. Superstar sein ist eben immer auch mit gewissen Anstrengungen verbunden, glaubt er. „In Thailand haben sie mir mal einen 15 Kilo schweren Eisenhelm auf den Kopf gesetzt, damit ich etwas von der Tradition des Landes herüberbringe“,erinnert er sich zwischen zwei Schlucken Kaffee. Auch heute muss er für die Schönheit wieder Gewichte stemmen: Direkt nach unserem Hausbesuch zieht es ihn ins Fitnessstudio. „Die Leute wollen schließlich keinen dicken Daniel Küblböck“,sagt er und grinst dabei sein entwaffnendes Daniel-Küblböck-Grinsen.

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