Christy & Emily im Offenbacher Hafen 2

Heiße Mixtur aus New York

Eine schöne Sache ist das – dem Kalender nach – sommerliche Konzert auf der Wiese des Offenbacher Klubs Hafen 2, Biertische warten auf die Zuschauer, es spielt eine geschmackssicher ausgewählte Band. Genauer gesagt ein Duo: Christy und Emily, zwei Frauen aus der New Yorker Indie-Popszene.

Mit E-Gitarre, Keyboards, einem rudimentären, auf eine Trommel und ein Becken begrenzten Schlagzeug spielen sie ihre melodiösen und ruhigen Lieder, die man sich gut als Soundtrack zu einer Fahrt durch endlose amerikanische Landschaften mit schnurgeraden Straßen vorstellen kann. Eine gewisse Melancholie liegt über den Songs, keine Schwere. Es gibt Licht und Schatten in dieser Welt.

Wenn Christy & Emily im Duett singen, tritt die folkige Note am stärksten hervor. Die Gitarre ist der Rocktradition zuzuordnen. Da mag mancher sich an den Schrammelsound der guten alten Velvet Underground erinnert fühlen. Und wir reden immer noch von ruhigen Liedern. Das Keyboard mäandert mitunter schleppend vor sich in, dann wieder pulsiert es.

Es sind intime Klangwelten von einer zwar heimeligen, aber noch lange nicht kuscheligen Wärme, die Christy & Emily produzieren. Der Gewinner eines charmanten kleinen Spiels mit einer dem Publikum zugeworfenen Discokugel kann zwischen einer Reise in die Weiten des Weltraums oder in die Tiefe des Ozeans wählen. Und bekommt schließlich doch den Song „Ocean“ aufgedrückt, eine mystische Entführung in eine Fantasiewelt.

Psychedelik vermischt sich mit Country-Einschlag – und das geht prächtig zusammen. Einige wenige Mal kommt ein Rhythmusgerät ins Spiel, von wirklichen Tanznummern sind Christy & Emily aber weit entfernt. Das ist alles hübsch unprätentiös und schön. STEFAN MICHALZIK

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