Heißer Tanz auf vielen Hochzeiten

Bariton Matthias Goerne

Den 80. Geburtstag feiert das hr-Sinfonieorchester in der kommenden Saison mit 76 Konzerten in Frankfurt und anderswo. Auch in seinem vierten Jahr als Chefdirigent entwickelt Paavo Järvi Themen wie die deutsche Romantik, nordische Musik und Zeitgenössisches weiter, darunter etliche Ur- und Erstaufführungen. Als „Artist in Residence“ will Bariton Matthias Goerne viele Facetten seiner Kunst vorführen.

Tonangebend bei den gestandenen und ganz jungen Solisten sind die Geigerinnen mit Weltstar Anne Sophie Mutter an der Spitze, die in zwei Konzerten des Rheingau Musik Festivals 2010 von den Rundfunk-Sinfonikern begleitet wird. Bekannte und neue Gesichter auch bei den Dirigenten – vom Barockspezialisten bis zum Debütanten.

Auftakt der hr-Sinfoniekonzerte in Frankfurts Alter Oper ist am 3. September mit dem Geiger Frank-Peter Zimmermann und dem Violinkonzert des Hanauers Paul Hindemith. Längst überfälliger Akt im ambitionierten Programm, bei dem Järvi seinen Bruckner-Zyklus mit der vierten Sinfonie fortsetzt. Ein Schüler von Bruckner war Franz Schmidt, dessen vierte Sinfonie Yakov Kreizberg vorstellt. Ebenfalls eine spätromantische Rarität ist die erste Sinfonie von Hans Rott, jung verstorbener Studienkollege Gustav Mahlers, an die Järvi erinnert, der zum Jubiläum das „Deutsche Requiem“ von Brahms mit „Le Tombeau resplendissant“ von Olivier Messiaen konfrontiert.

Die Musik des 20. Jahrhunderts repräsentieren Bohuslav Martinus „Fresken des Piero della Francesca“ mit der jungen deutsch-japanischen Pianistin Alice Sara Ott (Ravel-Klavierkonzert) und Schostakowitschs „Michelangelo-Suite“, die Bariton Goerne gestaltet. Martinus 1. Cellokonzert spielt Sol Gabetta, Leonard Slatkin legt noch Werke von Smetana und Berlioz („Symphonie fantastique“) auf. Zu den Neulingen zählt Kristjan Järvi, jüngerer Bruder des Chefdirigenten, der Strawinsky und Johann Sebastian Bach im Klanggepäck hat, Klaviersolistin ist die noch wenig bekannte US-amerikanische Bach-Spezialistin Simone Dinnerstein. Andris Nelsons, hoch gelobter Chef des City of Birmingham Symphony Orchestra, kommt mit Richard Strauss („Zarathustra“) und Beethoven, dessen Violinkonzert die ebenfalls in Lettland geborene Baiba Skride spielt.

Paavo Järvi will mit Goer ne zudem Lieder von Schubert und Richard Strauss sowie Bruckners sechste Sinfonie gestalten. In letzterem Konzert interpretiert Janine Jansen das Violinkonzert von Benjamin Britten. Für ihre lebendigen Händel-Interpretationen wurde die französische Barockspezialistin Emmanuelle Haim in Frankfurt bereits gefeiert, diesmal mit dem „Messias“ in der Alten Oper. Aufgelegt wird wieder die Reihe „Barock+“, diesmal mit Ton Koopman, Pionier der historischen Klangforschung. Im „Forum Neue Musik“ hat aktueller Ton Konjunktur, etwa von George Crump, Bernd Alois Zimmermann oder Matthias Pintscher. Das kulminiert in der „Klang Biennale_2“, die den Darmstädter Venezianer Bruno Maderna in den Mittelpunkt rückt. Für ein übergreifendes Erlebnis steht das „Music Discovery Project“ mit Schlagzeuger Martin Grubinger.

Nimmt man dazu die Kinder- und Jugendkonzerte, die Reihe „Musik und Film“ (Fritz Langs „Nibelungen“), die Schultour durch Hessen, Kammerkonzerte und internationale Tourneen, steht fest: Über Mangel an Beschäftigung kann das hr-Sinfonieorchester nicht klagen ... KLAUS ACKERMANN

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