Heißer Tanz auf zwei Klavieren

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Peter Kunz-von Gymnich erzählte den Zuhörern allerhand Wissenswertes.

Offenbach - Wussten Sie schon, dass der Komponist Carl Maria von Weber ein Cousin von Mozarts Ehefrau Constanze war? Solch angenehm beiläufige, aber auch musikwissenschaftlich fundierte Erkenntnisse liefert Peter J. Kunz-von Gymnich im Büsingpalais: Von Klaus Ackermann

 Sieben Offenbacher Pianisten boten diesmal an zwei Abenden einen heißen Tanz auf zwei Klavieren. Da feierte naturgemäß der Dreivierteltakt Triumphe, so rasant wie originell aufbereitet. Und dass der geneigte Zuhörer auch abseits des breiten Klassik-Stroms etwas Neues erfährt, scheint Ehrensache zu sein. Von Webers „Aufforderung zum Tanz“ ist nicht nur übergreifender Titel, sondern ein Beleg für die hohe Kunst des Ronald Fries, der das Ball-Szenario gewissenhaft nachstellt, zwischen festlichem Dur und dramatischem Moll auch die Ohrwürmer dieses populären Klavierstücks genüsslich erkundend. Frédéric Chopin scheint hier nicht fern, bei dessen berühmtem Walzer cis-Moll der so elegant wie virtuos aufspielende Fries den Rubato-Seufzern nachzusinnen scheint.

Mit Jean-Philippe Rameau, dem französischen Barock-Meister, ist Werner Fürst auf Du und Du, stilistisch feinfühlig die Suite aus den „Pièces de Clavezin“ auf den modernen Flügel übertragend. Vom würdevollen Schreit- bis zum derb-fröhlichen Bauerntanz wirkt der Klavierklang bei perlendem Triller-Zierrat wohl disponiert und charaktervoll, ob nun morgendliches Vogelgezwitscher oder Dudelsack- und Tambourin-Ton. An den reisenden Klavier-Virtuosen Moritz Moskowski (1854-1925) erinnern Peter J. Kunz-von Gymnich und Jürgen Blume mit den Spanischen Tänzen op. 12, seinerzeit Perlen des Klaviersalons. Vor allem die Nummer 2 dieser hochkultivierten Tanzmusik, vierhändig zu spielen und im Offenbacher Konzert auf zwei Flügel verteilt, genießt ungebrochene Popularität. Eine träumerische Valse, von den beiden Tasten-Koryphäen so stimmungsvoll aufbereitet wie der finale, rhythmisch kraftvoll grundierte Bolero.

Zu den Paradiesvögeln der Pianistenzunft gehört auch der aus New Orleans stammende Louis Moreau Gottschalk (1829-1869), zu dessen Glanztaten die Bearbeitung von Wagners „Tannhäuser“-Marsch für 14 Klaviere zählt. Frank Spannaus hat sich Gottschalks „Forest Glade Polka“ vorgeknöpft, ein an Liszts Diskant-Geklingel erinnernder Tanz der Irrlichter auf einer Waldlichtung. Einprägsamer sind dagegen die 16 Deutschen Tänze von Franz Schubert, allesamt dem Wiener Walzer in aphoristischer Kürze verpflichtet. Und in verschiedenen Gemütslagen komponiert, die der Offenbacher Pianist empfindungsreich nachvollzieht.

Den „Danse makabre“ des französischen Spätromantikers Camille Saint-Saens gibt es in etlichen Bearbeitungen, Elena Kotschergina und Olaf Joksch wählten die für zwei Klaviere und sorgen von den geheimnisvollen Anfangstakten bis zum makabren Totentanz, bei dem das Knacken der Knochen zu hören vermeint, für einen spannenden virtuosen Ritt. Gespickt mit schnellfingrigen Passagen und donnernden Oktavgängen ist zudem „Le Grand Tango“ von Astor Piazzolla, Inbegriff argentinischer Tanz-Leidenschaft und so temperamentvoll, wie klanglich delikat und rhythmisch hinreißend vom Duo Elena Kotschergina/Olaf Joksch aufbereitet. Ein grandioses Finale, das noch von einem zugegebenen Galopp gekrönt wird, den Joksch für vier Klavierspieler arrangiert hat und der einmal mehr - und hoffentlich alle Jahre wieder – unterstreicht: Offenbach ist ein gutes Pflaster für Pianisten.

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