Lässig statt anarchisch

Frankfurt - Es war wieder einmal ein richtig netter, entspannter Abend. Es wurde viel musiziert - und einer der Musiker hat zwischendurch lauter lustige Sachen gemacht. Von Stefan Michalzik

Aber schwer zu sagen, wie viele Leute kämen, wenn dieses famose Jazztrio einfach so auf Konzertreise ginge und der Mann am Klavier nicht aus anderen als nur musikalischen Gründen derart berühmt wäre. Einige hundert? Oder gar nur einige Dutzend? Der Klavierspieler aber ist Helge Schneider, und so der Große Saal der Alten Oper Frankfurt mal wieder proppenvoll.

Zu Beginn seines neuen Programms ,,Rettung naht … Superhelgi auf Tournee“ setzt Schneider sich ans Klavier und spielt mit dem Trio um den Bassisten Ira Coleman und Willy Ketzer „am Schlachzeuch“ - später tritt in einigen Nummern auch der Tenorsaxofonist Tyree Glenn jr. in Erscheinung - erst mal eine flotte Nummer, die an den Stridepiano-Stil eines Fats Waller anschließt, musikalisch so gekonnt wie animiert. Ein Solo des Bassisten garniert er mit Faxen. Alsbald tritt der beim Publikum schon seit Jahren eingeführte Teekoch Bodo auf, später der ebenfalls wohlvertraute Zausel Sergej Gleitmann mit seiner Gymnastikmatte. Schließlich auch Schneiders mitreisender Hund Zorro, den Bodo als lebendes Fleischgericht serviert.

Nur zur Erinnerung: Helge Schneider ist tatsächlich jahrelang durch Jazzclubs getingelt, bevor er sich auf einen zunächst abgründigen, mitunter absurden Humor verlegte, mit dem er erst zum offenen Geheimtipp avancierte, bevor dann 1994 sein Lied ,,Katzeklo“ das Formatradio und die Hitlisten eroberte - und Schneider seitdem anhaltenden Publikumserfolg bescherte.

,,Katzeklo“ spielt Helge Schneider diesmal nicht, wohl aber ein paar andere allseits bekannte Lieder wie „Meisenmann“, die Schlagerschnulzenparodie ,,100 000 Rosen“ und „Telefonmann“. Zur Perfektion hat Schneider die Kunst getrieben, aus alten Songs immer wieder neue, frisch wirkende Nummern zu schlagen und umgekehrt wohlbekannte, in vorherigen Programmen schon x-fach variierte alte Stücke wie die Lindenberg-Parodie mit neuen Texten lustig zu halten. Er greift einfach hinein in seinen Fundus und spielt damit.

Über die Zeiten, in denen er sich und anderen etwas beweisen musste, ist Schneider schon lange hinaus. Die anarchische Sprengkraft des Humors seiner frühen Tage ist einer sympathischen Lässigkeit - man könnte auch sagen einer gewissen Weisheit des zunehmenden Alters - gewichen. Langweilig wird’s mit ihm aber nie. Ungeachtet seiner Tracht - leuchtend blauer Anzug mit strassbesetzten Schlaghosen und rotem Einstecktuch, eine Perücke benutzt er in diesem Programm nur einmal - steht er inzwischen als er selber auf der Bühne. Der spaßgeneigte Musiker. Von der Kunstfigur mit der plärrenden Stimme und der Aussprache, die auf ein schlecht sitzendes Gebiss schließen lässt, hat er sich schon lange verabschiedet.

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