Stürmisch wie die See

+
Herbert Grönemeyer stellt sein neues Album „Schiffsverkehr“ vor.

So dynamisch hat man Herbert Grönemeyer lange nicht mehr erlebt. Wuchtige Beats, stürmische Texte – das neue Album „Schiffsverkehr“ strotzt vor Kraft und Energie. Der 54-Jährige will aufbrechen, die Vergangenheit hinter sich lassen. Von Haiko Prengel

„Endlich auf hohe See“, singt er beim Auftaktstück laut von der Kommandobrücke und fragt im nächsten Song: „Hast du das Herz, auf Kaperfahrt zu gehen?“ Forsch und mitreißend, mancher Leichtmatrose könnte dabei seekrank werden. Musikalisch prescht Grönemeyer nämlich ganz schön nach vorn. Den letzten Schliff erhielten die elf Songs erst Ende Februar, wie er verriet. „Wir arbeiten immer auf den letzten Drücker.“

Geschadet hat es dem Album nicht. Es ist bemerkenswert vielfältig und bunt. Denn natürlich finden sich neben druckvollen Rock- und Pop-Titeln wieder gefühlvolle, melancholische Balladen wie „Unfassbarer Grund“ oder „Zu dir“. Und Nummern wie das ausgelassene „Fernweh“ erinnern tatsächlich an „Mambo“ und „Männer“, die fetzigen Klassiker aus seinem heiteren Frühwerk. Ja, „Schiffsverkehr“ sei durchaus eine Rückkehr zu den 80er Jahren, bestätigt Grönemeyer.

Dazwischen lag für den Künstler eine sehr schwierige Zeit. 1998 starben kurz aufeinander einer seiner Brüder und seine Frau. Diesen schweren Schicksalsschlag verarbeitet er in seinen Werken bis heute, vor allem im Album „Mensch“ von 2002. „,Mensch’ war das Wieder-Laufen-Lernen.“ Danach sei das etwas „zerklüftete“ Album „12“ gekommen, „Schiffsverkehr“ markiere endgültig den Neuanfang: „Aufbruch, Versuch des Neubeginns“, unterstreicht der Sänger.

Gut ein Jahr lang hatte sich der Ruhrpottler Zeit gelassen, sein 13. Studioalbum zu produzieren. Dass er ein Meisterwerk vorlegen wollte, daran lässt zumindest die Liste der Schaffensorte keinen Zweifel. Zunächst ließ er sich in Stockholm inspirieren, besuchte das Mono Music Studio von Abba-Legende Benny Andersson. Am Hafen schaute „Herbie“ den Schiffen zu.

Weitere Teile von „Schiffsverkehr“ entstanden an der Abbey Road in London und in den Electric Lady Studios New York. Pop- und Rock-Giganten wie David Bowie, die Rolling Stones oder John Lennon haben dort produziert. Grönemeyer reihte sich „mit Ehrfurcht“ in diese Galerie ein, wie er sagt. Zufrieden Anker werfen will er noch lange nicht.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare