Herrin der feinen Töne

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Tief versunken: Sol Gabetta spielte Schostakowitschs Cellokonzert Nr.2.

Frankfurt - Der große Ton, das satte Cello-Schwelgen sind Sol Gabettas Sache nicht. Wer etwa ihre jüngst erschienene CD-Aufnahme des spätromantischen Cellokonzerts von Edward Elgar hört, dürfte in dieser Hinsicht manches vermissen. Von Axel Zibulski

Auch beim Aufritt der 30-jährigen Argentinierin in der Alten Oper Frankfurt ging es eher ziseliert, fein und filigran zu – doch passte dieser Ansatz zu Dmitri Schostakowitschs gespieltem Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op. 126 weit besser.

Die Dramaturgie des Konzerts war geschickt: Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, geleitet von Gastdirigent Pietari Inkinen, hatte Modest Mussorgskys wuchtig-düstere Fantasie „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ vorangestellt. Nach ihr nahm sich das enigmatische, 1966 komponierte Cellokonzert mit seinen scharf geschnittenen Stimmungswechseln umso lichter, luftiger aus. Zumal Gabetta diese Facetten besonders deutlich zur Wirkung brachte, im verspielt sich kräuselnden Solopart des knappen zweiten Satzes, erst recht in den skurril-tänzerischen Passagen des Finales. Etwas mehr existenziellen Ernst und schneidende Härte hätte man sich in den finsteren Momenten vorstellen können, am schlagwerkgesättigten Ende etwa, zumal das SWR-Sinfonieorchester und Pietari Inkinen an gestischer Deutlichkeit, an Intensität und Prägnanz nichts vermissen ließen. Als Zugabe spielten Solistin und Orchester Ernest Blochs „Gebet“.

Im zweiten Programmteil konnte sich das Publikum über eine exzellente Interpretation der Sinfonie Nr. 1 e-Moll op. 39 von Jean Sibelius freuen. Kein falsches Schwelgen: Bereits das Klarinettensolo zu Beginn klang eher gestaucht, unruhig. Insgesamt fesselte Inkinens Interpretation mit ihrer weit gefächerten Dynamik und ihrer beseelten Klarheit, vor allem seitens der vorzüglich aufgestellten Blechbläser.

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