Herzchen-Pop

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Die süßeste Verführung in Lila: Popsängerin Marit Larsen

Mit ihrem Schneewittchen-Gesicht und dem dazugehörigem Dauerlächeln bezaubert Marit Larsen schon, als sie sich im Offenbacher Capitol, einen Plastikbecher Tee in der Hand, an ihr E-Piano setzt. Von Kathrin Rosendorff

Kleine süße Mädchen (zwischen „10,5 und zwölf Jahren“) in Emu-Boots und Blüschen stehen in der ersten Reihe. Sie sind so entzückt vom ersten Konzert im Leben und ihrem Idol, dass sie viele rote Herzchen auf ein Plakat gemalt haben. Ihre Stimmchen schreien so laut sie können: „Marit, we love you!“ Die zierliche Norwegerin in ihrem traubenlila Puffärmel-Kleidchen nimmt das Kunstwerk und legt es behutsam neben sich auf die Bühne. Dann sagt sie gerührt: „Das ist das Süßeste, was ich je erlebt habe. Kann ich euch für den Rest der Tournee einpacken?“ Knapp 90 Minuten spielt sie. Es ist das erste Konzert der 26-jährigen Popsängerin in Offenbach.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite von Marit Larsen.

Ein bisschen Deutsch kann sie schon. Sie zählt bis zehn und sagt fast akzentfrei: „Im Brandfall nicht den Aufzug benutzen.“ Sie lacht. Seit Marit Larsen 13 Jahre alt ist, schreibt sie Lieder. In ihren Texten gibt es eigentlich nie ein Happy End. In Norwegen hat sie zwei Alben rausgebracht. In Deutschland wurden daraus die Lieder zu einem Album „If a song could get me you“ (2009) zusammengefasst. Meist geht es ums Verlassen-Werden oder ums Verlassen.

Für die Tournee hat sie sich eine Mandoline gekauft

„Aber meine Melodien sind fast immer fröhlich“, erzählt sie schmunzelnd. Dann singt sie ihren „fröhlichsten“ Schluss-Mach-Song „Ten Steps“. Da tanzen auch die wenigen Jungs und Väter mit kleinen Töchtern auf dem Arm. Larsens Melodien gepaart mit ihrer zarten Mädchenstimme (nur an manchen Stellen klingt sie rauchig) sind märchenhaft-verspielt. Sie selbst mag die Bezeichnung „Alice-im-Wunderland-Pop“. Immer wieder schüttelt sie ihren geraden Pony zurecht – diesen Tick teilt sie sich mit ihrer ebenso erfolgreichen Landsmännin Maria Mena.

Weil sie ihr Klavier so sehr vermisst, hat sie sich für die Tournee eine Mandoline gekauft. „Außerdem sehe ich dadurch größer aus“, scherzt die Sängerin mit dem Schulmädchen-Charme, die zwischen ihren Liedern gern von sich erzählt. Bei „Only A Fool“ spielt sie dann auch die Mandoline. Die Mitglieder der ebenfalls grinsenden Band (vier Männer und eine Frau) sind nicht auf ihr Instrument fixiert, sondern greifen schon mal zu Banjo und Xylophonklöppel, gelegentlich sogar zum Mikro.

Die Pärchen im Saal kuscheln zum romantischen Country-Lied, ein Cover von Gillian Welchs „Dear Someone“, das singt sie mit ihrem Gitarristen. Beim Titel „Under The Surface“ entschuldigt sich Marit Larsen, dass es nicht „so mächtig klingt“ wie auf dem Album. „Das große Orchester mit auf Tour zu nehmen, dafür fehlt mir leider das Geld“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Und ganz, ganz am Ende spielt sie das Lied, das die Mädchen in der ersten Reihe auswendig können. Laut singen sie mit dem Pop-Schneewittchen „If A Song Could Get Me You“.

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