Frankfurter Jazzer nehmen gemeinsame CD auf

Hessen verpasst Anschluss

+
Valentin Garvie und Heinz Sauer standen bereits gemeinsam auf der Bühne.

Frankfurt - In Frankfurt machen Jazzer-Generationen gemeinsame Sache, das dokumentiert die morgen erscheinende Doppel-CD „Frankfurt Sound - Past & Presence Of A Jazz Movement“. Von Detlef Kinsler

Die Freitagsküche ist im Kanon der Konzertadressen der Jazzinitiative Frankfurt der jüngste Zugang. Jung, weil dort bei freiem Eintritt neben etablierten vor allem viele junge Musiker aus Frankfurt und der Region zur Jamsession antreten. Jung auch, weil keine langwierigen Bewerbungen nötig sind, sondern, wie Jonas Lohse, selber Musiker und oft bei den Sessions am Kontrabass, betont, alles recht spontan über die Bühne geht.

Morgen Abend treten Matthias Akeo Nowak (Bass), Martin Lejeune (Gitarre) und Valentin Garvie (Trompete, Flügelhorn) beim „Jazz in der Freitagsküche“ im Gewölbekeller als No Lega auf. Sie gehören zu den Vertretern der Gegenwart auf der Doppel-CD „Frankfurt Sound - Past & Presence Of A Jazz Movement“, deren Veröffentlichung auf L+R Records, dem Label der verstorbenen Konzertimpresarios Horst Lippmann und Fritz Rau, gefeiert wird. Wie elf weitere, darunter das Contrast Trio und Uli Schiffelholz, die hr-Bigband-Mitglieder Axel Schlosser, Tony Lakatos und Oliver Leicht mit ihren Projekten oder auch [re:jazz] und der Max Clouth Clan. Unter den Vertretern der Vergangenheit finden sich illustre Namen, die mit dem Ruf Frankfurts als Jazzstadt Nr.1 in Deutschland, der schon länger in Frage gestellt wird, untrennbar verbunden sind wie Albert und Emil Mangelsdorff oder auch Jutta Hipp, Günter Lenz und Joki Freund.

Gemeinsamen Auftritte wichtig für Inspiration

Saxophonist Heinz Sauer und Pianist Bob Degen sind zwei Bindeglieder zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der eine spielt heute mit Michael Wollny, den Frankfurt gerade wegen einer Professur an Leipzig verloren hat, der andere mit Valentin Garvie. Der Argentinier, Mitglied des Ensemble Modern, erfüllte sich zuletzt in der Romanfabrik den Wunsch, einmal mit Heinz Sauer aufzutreten. Er freut sich, dass „die legendäre wie die aktuelle Frankfurter Jazzszene auf den CDs repräsentiert ist.“ Und er formuliert den Wunsch, dass von diesem Projekt der Anstoß ausgehen möge, dass es nicht nur beim Nebeneinander auf den Silberlingen bleibt, sondern öfters auch zu einem Miteinander bei gemeinsamen Auftritten kommt. Denn den empfindet Garvie als wichtig „für gegenseitige Inspirationen“, sagt er.

Gitarrist Martin Lejeune, der auf „Past & Presence“ mit seinen Soul Jazz Dynamiters und bei No Lega vertreten ist, will zwar nicht die gute Stimmung trüben, sagt aber dennoch deutlich: „Die Compilation ist ein wichtiges Zeichen, aber nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.“ Warum? Weil das Land Hessen den Anschluss zur Weiterentwicklung des Jazz verpasst hat. Immer noch fehle eine Hochschule für Jazz im Land, obwohl Frankfurt hier ein sehr geeigneter Standort wäre. „Private Schulen oder das zarte Pflänzchen einer Jazzabteilung am städtischen Dr. Hoch’s Konservatorium können langfristige Synergieeffekte einer vollwertigen Hochschul-Jazzabteilung nicht ersetzen“ bedauert er.

  • CD-Release-Konzert „Frankfurt Sound - Past & Presence Of A Jazz Movement“ am 5. Dezember, 21 Uhr, in der „Freitagsküche“, Mainzer Landstraße 105 (Hinterhaus), Frankfurt. Der Eintritt ist frei.

„Night of the Proms“ in Frankfurt

„Night of the Proms“ in Frankfurt

Mehr zum Thema

Kommentare