Sparsamer Hollywood-Sound

Frankfurt - Der Hollywood-Sound gehört zum Stil von Erich Wolfgang Korngold. Von Axel Zibulski

Schließlich hat ihn der jüdische Komponist, der vor den Nationalsozialisten in die USA emigrieren musste, entscheidend mitgeprägt - sogar zwei Oscars wurden dem Sohn eines Wiener Musikkritikers verliehen. Sein Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 35 komponierte Korngold 1945 und bediente sich dabei reichlich bei seinen eigenen Filmmusiken.

Das Dallas Symphony Orchestra und die US-amerikanische Geigerin Hilary Hahn haben Korngolds Violinkonzert auf ihre aktuelle Europa-Tournee mitgenommen und führten das knapp halbstündige, höchst entdeckenswerte Werk nun auch in der Alten Oper Frankfurt auf.

Der orchestrale Breitwand-Sound blieb dabei so erfreulich sparsam wie möglich eingesetzt; auch Hilary Hahn ließ mit ihrem absolut reinen, unprätentiösen und doch tragend-großen Ton mehr an Wiener Melos als an opulente Hollywood-Süße denken. Damit veredelte die 33-Jährige Solistin das klassisch-dreisätzige Konzert erheblich und rückte es klar in die Tradition seiner großen romantischen Vorbilder.

Das Dallas Symphony Orchestra gastierte wiederholt bei „Pro Arte“, trat nun aber erstmals unter dem frisch gekürten Chefdirigenten Jaap van Zweden auf. Der 1960 geborene Niederländer leitete ein recht gemischtes Programm, das dennoch feine Querbezüge aufwies – ob mit Blick auf die Oper oder auf Korngolds Heimatstadt Wien.

Die instrumentale Kopplung von Vorspiel und „Liebestod“ aus Richard Wagners „Tristan und Isolde“ vermittelte Dallas Symphony eingangs romantisch eingedunkelt, von Jaap van Zweden gleichwohl mit bündigen, nie zu weihevollen Tempi ausgeformt.

Und in der „Rosenkavalier“-Suite von Richard Strauss, die am Ende des offiziellen Programms erklang, nahm man authentisch Anleihen am satten Wiener-Walzer-Ton, der sich dank großer technischer Präzision und hoher klanglicher Anpassungsfähigkeit des US-Orchesters süffisant vermittelte. Einzig die pseudo-romantischen fünf Minuten der 2008 entstandenen „Elegy“ von Steven Stucky verloren sich im Belanglosen, während die Zugaben nachdrücklichen Effekt hinterließen: Hilary Hahn spielte ein frisch komponiertes Violin-Solo des 1977 geborenen Amerikaners Mason Bates, das Orchester ließ am Ende noch Antonín Dvoráks „Slawischen Tanz“ op. 46/8 folgen.

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