Hilde, Sünderin und Weltstar

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Zeitlose Musik bietet die gelungene Zusammenstellung der größten Hits von Hildegard Knef.

Mythos, Kultfigur und Phänomen: Hildegard Knef zählt zu den ganz großen Stars deutscher Nachkriegsgeschichte und ist zur Zeit durch die autobiografische Verfilmung in aller Munde. Passend dazu gibt es aktuell ein Best-Of Album, das sämtliche Hits dokumentiert. Von Holger Strehl

Hildegard Knef war die Sünderin, ein Kinotraum, ein Weltstar, eine Ikone. Ihre Stimme und ihre Musik finden noch heute geneigte Hörer. Deswegen gibt es nun ein vielsagendes Album mit dem Titel „Hilde - Das Beste von Hildegard Knef“ mit allen namhaften Songs der Ausnahmefrau. Ob „Ein und Eins das macht Zwei“, „Er war nie ein Kavalier“ oder „Für mich soll's rote Rosen regnen“, die 24 Songs bilden ein umfangreiches musikalisches Portrait, das jedes Musikliebhaberherz wild pochen lässt. Ein Highlight des Albums ist aber zweifellos der bisher unveröffentlichte Titel „Papillon“.

Der weltweite Ruhm von Hildegard Knef ist begründet durch ihr bewegtes Leben. Sie ist unbestritten eine Ikone deutscher Nachkriegskultur. So übte die Sängerin, Schauspielerin und Buchautorin eine nahezu magische Anziehungskraft auf ein internationales Publikum aus. Da sie ihrer Zeit weit voraus war, musste Hildegard Knef mit ihrer offenen und direkten Art und ihrer natürlichen Freizügigkeit im biederen und antiquiert-denkenden Nachkriegsdeutschland anecken.

Eine Nacktszene im Film „Die Sünderin“ verursachte einen schweren Skandal in Deutschland, der Hildegard Knef im Jahre 1951 veranlasste, Deutschland bis auf weiteres den Rücken zu kehren und in die USA zu gehen, wo sie von Cole Porter an den Broadway geholt worden war und bereits seit einigen Jahren große Erfolge feierte. Sie kehrte erst 1957 in ihr geliebtes Berlin zurück und hatte es zunächst nicht leicht, wieder zu Fuß zu fassen. Doch sie galt stets als Frau, die sich nicht unterkriegen ließ. Mit Tucholsky-Vertonungen, einer Rolle in Brechts „Dreigroschenoper“ und ihrer faszinierenden Stimme wurde sie bald zu einer der wichtigsten Künstlerinnen Deutschlands.

Der 1970 erschiene autobiografische Roman „Der geschenkte Gaul“ wurde aktuell von Regisseur Kai Wessel mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt. Leider floppt er gerade an den Kinokassen, obwohl sich die talentierte Makatsch tief in die Rolle einlebte. Sie nahm Gesangsunterricht und sang sämtliche Lieder für den Soundtrack selbst ein. Makatsch vermittelt ein authentisches und eindrucksvolles Bild von der Person Hildegard Knef.

Doch nur das Original ist das Original, deswegen ist die Zusammenstellung auf „Hilde - Das Beste von Hildegard Knef“ eine geniale Retrospektive aus dem wilden und bewegten Leben einer außergewöhnlichen Persönlichkeit.

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