Hochgradig gepflegter Mainstream

Frankfurt - Mehrfach an diesem Abend scheint es zwischen Brad Mehldau und Joshua Redman kurzzeitig Irritationen darüber zu geben, mit welchem Stück es wohl als nächstes weitergehen soll. Von Stefan Michalzik

Gleich was da nun dran ist: Die beiden Musiker, die sich 1994 im Quartett des damals als aufgehender Stern am Jazzhimmel gefeierten Joshua Redman erstmals begegnet sind, bewegen sich bei den JazzNights im Großen Saal der Frankfurter Alten Oper konventionell im Spannungsfeld zwischen struktureller Festlegung und kompositorischer Freiheit. Bilderstürmer sind sie nie gewesen. „Traditionsverwaltung“: So lautete die Vokabel, die im Zusammenhang mit den jungen Alleskönnern immer wieder gefallen ist.

Das ist schon damals an der Sache vorbei gegangen. Erst recht wird man den gereiften Musikern einen Traditionalismus schwerlich vorwerfen können. Natürlich ist alles, was sich zwischen dem Pianisten Brad Mehldau und dem mehrfach ans Sopran- überwechselnden Tenorsaxofonisten Joshua Redman abspielt, hochgradig „gepflegt“. Thema – Improvisation – Thema: So geht es in althergebrachter Weise durch eigene Kompositionen wie durch Standards von Charlie Parker und Sonny Rollins – und leider zum Schluss auch durch Nirvanas viel strapaziertes „Smells Like Teen Spirit“.

Mehldau zeigt sich gleich zu Beginn von seiner zupackenden Seite samt Fundamentierung in Blues und Boogie. Redman wirkt wie das sonnige Gemüt. Momentweise kommt er der spirituellen Seite John Coltranes nahe, dann wieder wartet er in einer Funkjazznummer mit seinem charakteristischen vollmundigen Ton auf. Aus einem enzyklopädischen Vermögen schöpft jeder für sich eine eigene Klangsprache. Sie beackern das Feld des Modernen Mainstreams mit einem reichen Ertrag. Damit lässt sich ein großes Publikum in einer künstlerisch anspruchsvollen Weise erreichen.

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