Höchste Seriosität auf kleiner Bühne

Geisenheim - Wenn Klarinette und Bratsche zusammenkommen, steht ein Komponist hoch im Kurs: Der Brahms-Freund Max Bruch (1838-1920), viel zu häufig auf sein erstes Violinkonzert reduziert, hat nicht nur ein weiteres, ebenso hübsches Konzert für dieses seltene Doppel komponiert. Von Axel Zibulski

Auch die acht Stücke für Klarinette, Viola und Klavier op. 83 sind dankbare, zwischen romantischem Schwärmen und klassizistischer Klarheit changierende Musik. Beim Konzert der Klarinettistin Sharon Kam mit ihrem Bruder, dem Bratschisten Ori Kam, bildeten die acht ausdrucksvollen und zwischentonreichen Stücke den Schlusspunkt des „Familientreffens“ in Schloss Johannisberg. Anlässlich des kleinen Festival-Schwerpunkts kamen in diesem Sommer nämlich immer wieder musizierende Geschwister im Rheingau zusammen. Im Fürst-von-Metternich-Saal behauptete sich der Pianist Matan Porat im Trio mit der 1971 in Israel geborenen Klarinettistin Sharon Kam und ihrem vier Jahre jüngeren Bruder dabei vorzüglich. Bereits eingangs war Wolfgang Amadeus Mozarts luftiger, leichter, fließender Serenaden-Ton im „Kegelstatt“-Trio Es-Dur KV 498 so locker wie präzise zur Wirkung gelangt.

Die Kammermusikabende in Schloss Johannisberg fielen in diesem Sommer als seriösester Ausschnitt aus dem Programm des Rheingau Musik Festivals angenehm auf. Dort scheint am ehesten möglich zu sein, was das Festival sonst meist scheut, nämlich die doch so wichtige Kontextualisierung Neuer Musik mit dem klassischen Repertoire. Auf die durchweg fein-sinnlich ausformulierten vier „Märchenerzählungen“ op. 132 von Robert Schumann traf in Johannisberg eine „Hommage à R. Sch.“; der 1926 geborene Ungar György Kurtág hat sie 1990 vollendet. Schlaglichthafte Gesten gibt es in den fünf ultrakurzen ersten Sätzen, dazu ein Schluss-Adagio von äußerster kammermusikalischer Intensität. Beim zweiten Anlauf immerhin fand das Trio die nötige Konzentration für Kurtágs Reverenz an den älteren Kollegen Schumann. Die jazzige Zugaben-Miniatur schließlich stammte vom israelischen Komponisten Ilan Rechtman.

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