High Flying Birds im Capitol

Der Höhenflug des Noel Gallagher

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Kann's auch ohne den kleinen Bruder: Noel Gallagher singt die Oasis-Hits selbst.

Offenbach - Sie waren tatsächlich pünktlich da, randalierten nicht und trieben auch sonst keinen groben Unfug. Stattdessen friedliche Tischtennis-Partien der Bandmitglieder und Autogramme für die Fans. Von Christian Riethmüller

Ob in Offenbach alles mit rechten Dingen zuging? Aber im vollbesetzten Capitol gastierte ja auch nicht Oasis, sondern mit Noel Gallagher’s High Flying Birds der eine Nachfolger der legendären Britpop-Gruppe, die sich infolge der ständigen Zwistigkeiten der Gebrüder Gallagher aufgelöst oder, besser gesagt, geteilt hatte. Liam Gallagher hat ja mit Beady Eye ebenfalls eine Band in Nachfolge von Oasis gegründet, die übrigens im vergangenen Herbst ihr avisiertes Offenbacher Konzert kurzfristig storniert hatte.

Wenn Noel Gallagher nun gekonnter die musikalische Geschichte fortschreibt, liegt das nicht nur daran, dass er ohnehin fast alle Oasis-Songs komponiert hat. Es hat auch nichts mit seinem Status als “Godlike Genius“ zu tun, als der er bei den diesjährigen NME Awards ausgezeichnet wurde. Noel Gallagher ist schlicht disziplinierter als sein Bruder, auch wenn dessen Maßlosigkeit und notorische Selbstüberschätzung viel zum Image von Oasis als überlebensgroße Rock-Band beigetragen hat.

Diese Rockstar-Ausstrahlung ging den High Flying Birds bei den ersten Songs im Capitol - “(It’s good) to be free” und “Everybody’s on the run” - noch ab, was auch mit Noel Gallaghers Gesang zu tun hat. Der ist zwar grundsolide und und definitiv bandtauglich, doch fehlt ihm mit dieses Krächzen in der Kehle, das dem Vortrag des jüngeren Bruders Einzigartigkeit verleiht.

Noel Gallagher nicht nur ein glänzender Songschreiber

Doch Noel Gallagher ist nicht nur ein glänzender Songschreiber, sondern auch ein versierter Handwerksmeister, der weiß, wie seine Songs in Szene zu setzen sind. Vom Solohit “If I had a gun...” an ließ er deshalb seine Stimme vom früheren Zutons-Bassisten Russell Pritchard doppeln, was gleich für mehr Druck sorgte und den Song in jene Sphäre der großen Oasis-Hymnen hob, die zum Soundtrack einer ganzen Generation gehören. Diese Hymnen verzückten vor allem die vielen britischen Besucher, die nebenbei auch manche Derbheit auf die Bühne riefen.

Wer lieber anders die Stimme erhob, bekam während des anderthalbstündigen Konzert reichlich Gelegenheit, in kollektive Gesänge zu verfallen, sei es bei alten Oasis-Perlen wie „Supersonic”, „Talk tonight” und „Half the World away” oder auch bei den Treffern vom Solo-Debüt wie „Record Machine”.

Bei den neuen Stücken war auch zu hören, dass Gallagher mit den High Flying Birds nicht nur die Oasis-Rezeptur wiederaufbereitet. Keyboarder Mike Rowe, der auch schon bei Oasis mitspielte, kommt nun prägnanter mit Piano und Orgel zum Einsatz als dies bei den gitarrenbestimmten alten Hits der Fall war. Diese Hits gab es für den Nachhauseweg. Im bewussten Bruch mit der Oasis-Tradition spielten die High Flying Birds nämlich Zugaben, darunter mit „Whatever” und „Don‘t look back in anger” wahre Großtaten Gallaghers.

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