Hört mal, wer da heftigst hämmert

+
Kings of Leon lautstark in Frankfurter Festhalle

Frankfurt - Aufgesetzten Glamour, peinliche Überheblichkeit oder künstliche Effekthascherei überlässt das amerikanische Quartett gern anderen. Von Ferdinand Rathke

Auch nach ihrem Aufstieg in die Zunft der millionenschweren Stadionformationen mit Privatjet und Modelfreundin für den charismatischen Frontmann Anthony Caleb Followill geben sich Kings Of Leon im elften Karrierejahr rustikal, kumpelhaft und bodenständig. Selbst die spärlich beleuchtete Bühne der ausverkauften Frankfurter Festhalle wirkt mit in haushohen metallenen Lagerregalen gestapelten Scheinwerfern und Radkappen, als befände sich die um einen zusätzlichen Musiker ergänzte Truppe bei der Auswertung signifikanter Songs aus fünf bislang erschienenen Alben im Baumarkt.

Betont dezent der irgendwie uniforme, aber keineswegs schlabbrige Jeans-Look, den auch Timothy Taylor alias Tim Allen in der populären Heimwerker-Sitcom „Hört mal, wer da hämmert“ tragen könnte, ohne seine durch Bohrmaschine und Flex im Anschlag unterstrichene Männlichkeit in Frage zu stellen. Und wie regelmäßig in der US-Fernsehserie geht im Finale bei den Kings Of Leon etwas zu Bruch: Ausgerechnet bei dem Song „Black Thumb nail“ (schwarzer Daumennagel; jeder Hobbybastler kennt das Problem!) explodieren, gesteuert vom professionellen Pyromanen, die penibel drapierten Scheinwerfer und Radkappen mit lautem Knall und brechen dramatisch zusammen.

Da hat die Konsensformation jüngerer wie älterer Fans aus Nash ville (Tennessee) sich bereits urig durch eine selbstentworfene Mischung aus Alternative, Garagen- und Southern Rock gespielt, die ihre Wurzeln bei Vorbildern wie Creedence Clearwater Revival, The Outlaws, Lynyrd Skynyrd und The Allman Brothers findet. Kaum ins Gewicht fällt in 100 Minuten dagegen der fundamentale religiöse Hintergrund der Brüder Anthony Caleb Followill (Gesang, Rhythmusgitarre), Ivan Nathan Followill (Schlagzeug) und Michael Jared Followill (Bass) im Gespann mit Vetter Cameron Matthew Followill an der Sologitarre. Vater Léon, der Namensgeber, reiste als Wanderprediger der United Pentecostal Church mit seinen heranwachsenden Jungs im so genannten Bible Belt der Südstaaten umher – eine öffentliche Schule sah das Trio nur selten.

Dennoch schwebt christliche Erziehung subtil im Raum bei für die riesige Lokalität hervorragend ausgesteuerten Klangbeispielen wie „Back Down South“, „The Immortals“ oder „The End“. Zumal trotz aller Unaufdringlichkeit Sänger und Mädchenschwarm Followill in Hits wie „Sex On Fire“, „Use Somebody“ und „Closer“ ein angerautes Timbre mit hohem Wiedererkennungswert einsetzt.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare