Hoffnung am Horizont

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Xavier Naidoo live in concert.

Frankfurt - Am Ende des ersten Zugabeteils, gerade hat er im Stroboskopgewitter noch einmal alles aus sich herausgeholt, ruft Xavier Naidoo: „Ich war schon lange nicht mehr in der Festhalle, aber so wie gestern und heute war’s hier noch nie!“ Von Anke Steinfadt

Die Fans befinden sich zu diesem Zeitpunkt im Ausnahmezustand.

Die Halle bebt, obwohl sie gar nicht bis zum letzten Platz gefüllt ist. „Un-glaub-lich!“, wiederholt er mehrmals. Am Tag zuvor war er mit den Söhnen Mannheims aufgetreten. Band- und Soloprogramm an zwei aufeinander folgenden Abenden – mit diesem ungewöhnlichen Konzept tourt er derzeit durch Deutschland. „Hammer!“, sagt er. Und das mit gutem Recht.

Mehr als zwei Stunden begeistert der 38-Jährige mit einer ausgewogenen Auswahl an neuen Stücken und Höhepunkten seiner Solokarriere. Bei Titeln wie „Ich kenne nichts (das so schön ist wie du)“ oder „Dieser Weg“ bilden die Fans eindrucksvolle Chöre, ohne dass der Sänger sie dazu auffordern müsste. Unermüdlich tänzelt er in dem ihm eigenen Wiegeschritt über die Bühne und den schmalen Steg entlang, der ins Publikum reicht. Er trägt Jeans, Turnschuhe und ein übergroßes graues T-Shirt. Die Schiebermütze darf nicht fehlen, die Brille ausnahmsweise schon.

Bilder vom Konzert

Er singt für Gott und den Frieden

Während Xavier Naidoo in Interviews gern Weltverbesserisches von sich gibt, übt er sich auf der Bühne diesbezüglich wohltuend in Zurückhaltung und überlässt den Aufklärungsanspruch allein seinen Songtexten. „Die Machthaber der Welt mischen Blut mit Geld“ reimt er oder „Gib’ dich nicht auf, denn es hilft alles nichts, wenn du nicht an dich glaubst“. Mal geht es um das Große und Ganze, dann um das Individuum. Nicht selten ist die Liebe zu Gott im Spiel. Und stets schimmert Hoffnung am Horizont. Der Titel des neuen, aus drei Einzel-CDs bestehenden Albums ist Programm: „Alles kann besser werden“.

Naidoo liefert eine großartige Show, getragen durch seine unverwechselbare Stimme. Dass die zwölfköpfige Begleitband die Songs mit mehr Tempo und einer kräftigen Portion Rock-, Jazz- und Funk-Elementen unterlegt, tut der Musik ausgesprochen gut. Mehr Kraft, weniger Melancholie als in der Studiofassung. Selten hat man bei einem Konzert dieser Größenordnung das Gefühl, einem Künstler nahe zu kommen. Der Mannheimer schafft es auf wundersame Weise.

Nicht einmal die über der Bühne schwebende Riesen-Discokugel, auf der sein Gesicht und Lichteffekte projiziert werden, lenkt von ihm ab. Dies gelingt vorübergehend nur Cassandra Steen, die neben anderen Gastkünstlern die Tour begleitet. Tosender Beifall, als „eine der krassesten Soul-Stimmen, die Deutschland hervorgebracht hat“, wie Naidoo sie ankündigt, die Hitsingle „Stadt“ präsentiert. Anschließend stellt er mit „20 000 Meilen“ unmissverständlich klar, dass ihm so bald niemand den Rang ablaufen kann.

Am Sonntag mit den Söhnen Mannheims in der Festhalle

Lauschige Atmosphäre bei den Söhnen Mannheims

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