Hohe Maßstäbe gesetzt

Eine schöne Klangsymbiose von Streichern und Hörnern bot das vorösterliche Konzert des Collegium Instrumentale Alois Kottmann im Hanauer Schloss Philippsruhe.

Drei Choräle von Johann Sebastian Bach, transkribiert von Alois Ickstadt für Kottmanns Streichorchester und das Hornquartett Helmuth Fintl, fügten sich sehr gut hinein und fanden zu einem bejahenden, im Sinne der Osterbotschaft affirmativen Charakter. Ein ebensolcher Genuss war Ludwig van Beethovens Sextett op. 81b für zwei Hörner und Streichorchester. Die Frische des Allegro con brio, der gesättigte Ton im Adagio und der Dialog der beiden Instrumentengruppen im Rondo wurden dem heiter-ausgeglichenen Werk, das durchaus zur Tradition gehobener Divertimenti zählt, mehr als nur gerecht.

Zu hören war überdies das dreisätzige Werk „Kontemplatio für Violine solo“ des anwesenden Komponisten Richard Rudolf Klein, das Alois Kottmann interpretierte. Das sich mit dem Sinn des Lebens und der Hoffnung auf ewigen Frieden beschäftigende Werk bezieht sich auf drei Gedichte von Werner Bergengruen, die Ursula Ruthardt rezitierte. Während zunächst einem punktierten, akkordisch unterlegten Thema ein lyrisches Motiv gegenübersteht, entfaltet sich im „Versus mystici“ ein melodischer Monolog und zeigt der dritte Satz, „Eximia perennant“, pastorale Anklänge. Kottmann erwies sich als souveräner Interpret, der dynamische Schattierungen, differenzierte Klangfarben und mehrstimmige Passagen technisch wie gestalterisch adäquat auslotete.

Mozarts Fuge in c-Moll stand ebenso auf dem Programm, deren einleitendes Adagio voller Dramatik überzeugend gelang. Auch das Fugenthema, das sich durch die vier Stimmen seinen Weg bahnt und sich in Engführung und Umkehrung immer mehr intensiviert, spielte das Streichorchester mit einem zupackenden Gestus.

Den Abschluss machte das Adagio Ges-Dur aus Anton Bruckners Streichquintett. Der warme Dolce-Klang des Collegium Instrumentale beseelte dieses spätromantische Werk mit seinen zwei Themenkomplexen: Quasi entrückte Passagen wie aufwühlende Crescendi bildeten einen ausgezeichneten Schlusspunkt, mit dem das Streichorchester hohe Maßstäbe setzte. Ärgerlich, dass sich in die letzten verklärten Streicherklänge über dem schwebenden Orgelpunkt ein beharrliches Handy-Klingeln mischte, welches Zuhörer wie Musiker schnell und unsanft in den Alltag zurückholte. ESTHER GEORGE

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare