Howard Carpendale in Alter Oper

Noch lang nicht vorbei

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Howard Carpendale ist mit seinen 68 Jahren noch immer ein mitreißender Entertainer, wie er jetzt in Frankfurt bewies.

Frankfurt - Im schnelllebigen Showbusiness sind sie eine Seltenheit zwischen all den musikalischen Eintagsfliegen: Künstler, die uns ein Leben lang begleiten und auch noch nach Jahrzehnten die Hallen füllen. Von Dirk Iding 

Einer dieser musikalischen „Dinos“, die scheinbar nie aussterben, füllte nun an zwei Abenden die Frankfurter Alte Oper. Howard Carpendale, aus Südafrika stammendes Urgestein des deutschen Schlagergeschäfts, machte mit neuen Liedern aus seinem Album „Viel zu lang gewartet“ und natürlich jeder Menge seiner unvergänglichen Titel aus fast fünf Jahrzehnten musikalischen Schaffens Station in der Mainmetropole.

Hervorragend begleitet von acht Musikern und drei Sängern lieferte der 68-Jährige eine Show ab, die bei seinen treuen Fans wohl nicht allzu viele Wünsche offen gelassen haben dürfte. Wobei das bei einem Repertoire von fast 700 Titeln, die „Howie“ seit seinem Schallplattendebüt 1966 in Deutschland auf den Markt brachte, gar nicht so einfach ist. Denn manches, was man gern auch mal wieder von ihm gehört hätte, musste in der mehr als zweistündigen Show außer vor bleiben. Doch auch mit Hits wie „Nachts, wenn alles schläft“, „Ti Amo“, der unvermeidlichen „Alice“ oder „Dann geh doch“ ließ es sich herrlich in musikalischen Erinnerungen schwelgen. Und dass Carpendale selbst das Kramen in seiner schöpferischen Vergangenheit nicht ganz so ernst nimmt, bewies er mit einer rappigen Version des „Schönen Mädchens von Seite 1“.

Überhaupt bewies der Entertainer zwischen seinen Lieder immer wieder auch eine Portion Selbstironie, etwa wenn er seinen Bassisten in gespielter Ahnungslosigkeit fragt „So, wie geht‘s jetzt weiter?“, um dann sofort mit „Hello again“ die Halle zum Brodeln zu bringen.

Goldene Kamera: Stars auf dem Roten Teppich

Goldene Kamera: Stars auf dem Roten Teppich

Doch Howard Carpendale nur auf Vergangenes zu reduzieren, wird dem Sänger nicht gerecht. Die Lieder seines neuen Albums „Viel zu lang gewartet“ zeigen, dass der 68-Jährige musikalisch voll auf der Höhe der Zeit ist. Das ist eingängige Popmusik, mal beatgetrieben wie bei „Es wird alles gut“, mal gefühlvoll wie bei „Bedingungslos“, eine wunderschönen Liebeserklärung an seine erwachsenen Kinder. Da fällt es nicht schwer zu glauben, was Carpendale seinen Fans in seinem Abschiedslied „Die Musik bleibt“ quasi als Versprechen mit auf den Heimweg gibt, wenn er singt „Es ist noch lang nicht vorbei…“

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