"Howie" kommt mit neuem Album nach Frankfurt

Völlig neu erfunden

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„Für Männer gibt es im Schlager nichts mehr zu holen“, sagt der aus Südafrika stammende Sänger Howard Carpendale.

Frankfurt - Howard Carpendale ist wieder da. Mit seinem neuen Album wandelt der Schmusesänger aus Südafrika abseits ausgetretener Schlager-Pfade. Von Lara Sturm

„Viel zu lang gewartet“ heißt Howard Carpendales neues Album. Lange warten muss man auch auf den Schmusesänger, mit reichlich Verspätung trifft dieser zum Interviewtermin ein. Den Mantel behält er an. „Mein Jackett habe ich vergessen, aber ich lasse es mir herbringen“, erklärt der 67-Jährige seiner Stylistin, die mit Puder und Pinsel bereit steht. Trotz des vergessenen Jacketts sieht Carpendale mit seinem Faltenschal und der akkuraten Fönfrisur wie ein lebendiges Plattencover aus.

Der Sänger hat ein neues Album produziert – in Berlin, in Kollektivarbeit, mit jungen Kreativen. Er habe sich dabei völlig neu erfunden, sagt er. „Im Musikbusiness muss man sich immer wandeln. Der Schlager ist doch tot. Da sind nur noch Frauen erfolgreich, die Helene Fischer zum Beispiel. Für Männer gibt es da nichts mehr zu holen“, erzählt der Hohepriester des „Ti Amo“. Jetzt mache er Popmusik. „Genau das, was ich immer wollte“, schwärmt er.

Alter "Howie" neu verpackt

Aber klingt das Album wirklich so aufregend anders? Nein. Denn es ist und bleibt Carpendale, trotz höherem Tempo. Sanfte, konventionelle Unverbindlichkeit – immerhin: neu verpackt. Dabei, so wird man das Gefühl nicht los, wäre der 67-Jährige so gern cool und hip: „Alter ist doch nur eine Zahl. Wenn meine Musik der Hammer ist, erreiche ich damit auch die Jugend.“

Am Ende des Gesprächs gibt er dann aber doch zu: „Dieses ganze Internet, dieses ganze Online, das geht mir zu schnell.“ Er google sich daher nie, aber schaue oft auf Facebook – „was mir meine fast 70 000 Freunde so schreiben“. Auf die ist er stolz: „Im Durchschnitt sind meine Facebook-Fans 35 Jahre alt – das zeigt doch, dass ich etwas richtig gemacht habe, wenn so junge Leute meine Musik hören.“

Woher er diese Durchschnittswerte hat, verrät Carpendale nicht. Klickt man allerdings auf die Statistik seiner Facebook-Seite, ergibt sich ein anderes Bild: Die Altersgruppe liegt hier zwischen 45 und 54 Jahren.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Aber dieser Wert ist vermutlich nichtssagend, da die meisten älteren Carpendale-Fans mit hoher Wahrscheinlichkeit Facebook gar nicht nutzen. Berechnet man diese Ausfallquote mit ein, sind 68 000 Facebook-Follower recht ansehnlich. Zum Vergleich: Helene Fischer folgen mehr als 333.000 Fans bei Facebook und einem kleinen Hund namens Boo aus den USA sogar 7,9 Millionen.

Am 3. und am 4. April 2014 tritt Carpendale in der Alten Oper in Frankfurt auf. Sein Album „Viel zu lang gewartet“ ist seit Samstag im Handel.

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