Blues auf der Blockflöte

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Wiedersehen am Dornbusch: Schauspieler August Zirner und hr-Bigband-Chef Jim McNeely bei den Proben.

Frankfurt - Das Hessische Staatstheater Wiesbaden, die Kammerspiele München, das Burgtheater Wien und die Salzburger Festspiele sind nur einige ausgewählte Stationen im Leben des Schauspielers August Zirner. Von Detlef Kinsler

Cineasten kennen ihn aus anspruchsvollen Leinwand-Produktionen von Volker Schlöndorff, István Szabó oder Margarethe von Trotta. Selbst TV-Serien-Fans haben sein Gesicht schon mal bei „Soko 5113“ oder im „Tatort“ gesehen. Am Wochenende aber steht er auf der Konzertbühne – mit der hr-Bigband und neben einem alten Freund: Chefdirigent Jim McNeely.

Nach den Proben im Funkhaus am Dornbusch sitzen die gestandenen Männer bei Mineralwasser im Bigband-Büro und zählen die Jahre, die man sich nicht gesehen hat. „40 Jahre“, seufzen sie. „43, um genau zu sein“, schiebt Zirner hinterher. „Jim war 21, ich 14.“ Der Österreicher mit US-Pass wuchs in den Staaten auf. „Ich hatte eine kleine Band und spielte Blues auf der Blockflöte. Meine Mutter heuerte Jim an, um mir etwas Ordentliches beizubringen.“ Prompt wurde er gequält. Mit Kirchentonleitern, ionisch, äolisch, phrygisch, lydisch, mixolydisch. „Ich habe dabei eine Menge gelernt, bewusst wurde mir das aber erst 30 Jahre später.“ Die Leidenschaft für Querflöte und Jazz rühren aus dieser Zeit. „Ich bin meiner Mutter außerordentlich dankbar für ihre Idee“, sagt Zirner heute. „Und Jim McNeely.“

Jazz-Solisten, Komponisten, Arrangeur und Orchesterleiter

McNeely wusste nicht, was aus seinem Schüler geworden war, Zirner hatte dagegen auf dem Schirm, dass sein Lehrer zum gefragten Jazz-Solisten, Komponisten, Arrangeur und Orchesterleiter geworden war. Als der New Yorker sporadisch über den Großen Teich kam, um mit der hr-Bigband zu arbeiten, hieß eines seiner Projekte „Poems, Stories and Plays“. Das stachelte den Schauspieler an: „Wenn Sie jemanden brauchen, der die Texte spricht, wäre ich glücklich das tun zu dürfen“ hieß sein freundliches Angebot mit beigelegtem Foto.

McNeely erkannte „Augie“ darauf. „Leider musste ich ihm mitteilen, dass der Titel eine Lüge war“, lacht McNeely. „Es gab nichts Gesprochenes, nur Musik, mit der ich Geschichten erzählen wollte.“ Aber Zirner kam zum Konzert und der Zufall (oder das Schicksal) wollte es, dass sich ihre Wege öfters kreuzten. In Frankfurt, Wien, Graz. Und bei einem gemeinsamen Frühstück reifte dann die Idee einer Zusammenarbeit.

„Große Lust, die Sprache zur Musik zu bringen“

„Ich verspürte schon immer eine große Lust, die Sprache zur Musik zu bringen oder umgekehrt“, bekennt Zirner. Es sollte mehr als Jazz & Poesie werden. „Da fehlt ein wenig die Spannung, wenn eines dem anderen folgt“, suchte das Team lieber die Gegensätze, den Kontrapunkt. Und so realisierten sie McNeelys Idee, sich mit Ralph Ellisons „Invisible Man“ einer Romanvorlage anzunehmen. McNeely komponierte dafür Musik, mal leicht, mal schwer, um den Stimmungen zwischen Leid und Freude gerecht werden.

Im zweiten Teil des Konzertes, das heute im hr-Sendesaal (20 Uhr) und am Sonntag, 18. März, 20 Uhr im Staatstheater Darmstadt zu hören ist, sind Texte und Motive von Jazzlegenden wie Charles Mingus, Miles Davis und Duke Ellington zu hören.

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