Akzente aus der Neuen Welt

Frankfurt - Fest in amerikanischer Hand war das Konzert des hr-Sinfonieorchesters in der Alten Oper. Von Klaus Ackermann

Mit der nicht nur in den Staaten hoch geschätzten Dirigentin Marin Alsop und der phänomenalen Cellistin Alisa Weilerstein prägten zwei Protagonistinnen Werke von Samuel Barber, William Walton und Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“, die gern abseits des Klassik-Mainstreams Weichen stellen. Und dabei im engen Verbund mit dem international besetzten Rundfunk-Orchester frische gestalterische Akzente setzten.

Viel Energie strahlt Marin Alsop am Pult ab und erreicht entsprechend viel. Suggestivkraft und Temperament erinnern immer wieder an ihren großen Mentor Leonard Bernstein. Und einmal mehr beweist die Chefin des Baltimore Symphony Orchestra, dass es kein geschlechtsspezifisches Dirigieren gibt.

Schon der markante Fanfaren-Einstieg in die wie ein raffiniertes spätromantisches Patchwork anmutende „Sinfonie in einem Satz“ des von europäischer Kultur faszinierten US-Komponisten Barber (1910-1981) ist punktgenau. Exquisite Harmonik, an Strawinsky erinnernde rhythmische Skalen, dazu ein Finale, das jedem Spielfilm zur Ehre gereichen würde: Alsop lässt die hr-Sinfoniker blendend präludieren und forciert dynamischen Kontrast.

„Artist in Residence“

Ebenso intensiv die melodiösen Endlosschleifen des Cellokonzerts des Briten William Walton (1902-1983) begleitend, die Alisa Weilerstein zieht, in dieser Saison „Artist in Residence“. Was soll man mehr bewundern: ihren schönen, raumgreifenden Ton, die langsamen (!) Ecksätze wie ein Rachmaninow-Vermächtnis ausdeutend, ihre feine nuancenreiche Artikulation oder ihre Nervenstärke, mit der sie technisch teuflische Klippen überwindet. Das alles mit jugendlicher Lässigkeit, die Waltons, über weite Strecken dem französischen Impressionismus zugeneigtes, mit Farbtupfen von Harfe und Celesta untermaltes Konzert zur Ohrenweide machen.

Schließlich Dvorak, wieder einmal die 9. Sinfonie, in New York komponiert und uraufgeführt. Das verpflichtet die Amerikanerin Alsop zu klassischer Strenge in Tempi und bewusst gesetzten dynamischen Effekten. Statt Böhmerwald eher Grand Canyon – das milde blühende Englisch-Horn-Solo von durchsichtigem Streicherklang unterlegt und vom kraftvollen Bläsermotiv, das satzübergreifend für Unruhe sorgt, förmlich zersägt. Doch selbst das drohende wie auch Heimweh bezeugende Moll scheint bei Alsop zu strahlen. Sind halt unverwüstliche Optimisten, diese Amerikaner.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Peter Kirchhoff

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