Hübscher fliegen Herzen zu

Die Hände zum Himmel: Katy Perry animiert ihr Publikum zum Mitklatschen. Foto: Georg

Was ist da los? Die 50er-Jahre-Aufmachung, die das Bild von Katy Perry prägte, ist Leggins, bemaltem Schlabber-T-Shirt mit weitem Armausschnitt und breitem Nietengürtel gewichen. Der neue Stil erinnert an Nena, als sie Mitte der 80er ihre größten Erfolge feierte. 1984 wurde Katy Perry als Katheryn Elizabeth Hudson in Santa Barbara als Tochter eines Pastoren-Ehepaars geboren.

Bis zum Erscheinen der mit dem Brit Award als „Beste internationale Solo-Künstlerin“ ausgezeichneten Kalifornierin müssen sich die Fans in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle (das Konzert wurde der Nachfrage wegen von der Frankfurter Batschkapp dorthin verlegt) gedulden. Um 20 vor zehn geht’s nach Vorgruppe und langer Pause los. Der Vorhang öffnet sich, neben der Band tritt ein riesiger Katzenkopf mit blauen Augen in Erscheinung.

Fürs Warten wird das Publikum bald mit dem Hit „Hot’n’Cold“ belohnt. Der Saal bebt, der Refrain erklingt aus aller Munde, während die Brünette den Lautsprecherturm erklimmt, um von oben für Stimmung zu sorgen. Zurück auf der Bühne, greift sie zur Gitarre, trägt „Waking Up In Las Vegas“ und „Lost“ vom Album „One Of The Boys“ vor. Und als flögen ihr nicht schon alle Herzen zu, schmeichelt sie: „Ich bin seit drei Wochen auf Europatour und muss sagen, die deutschen Kids sind die verrücktesten!“ Das Publikum tobt. Älter als 35 sind wenige, die meisten davon als Begleitung ihrer Kinder da, die Kleinsten im Grundschulalter.

Das geht Ordnung. Perry ist, trotz Themen wie homosexueller Liebe, keine Provokateurin. Mit „I Kissed A Girl“ stürmte sie die internationalen Hitparaden, einem der gelungensten Popsongs 2008. Alle Aufregung um die Aussage scheint übertrieben. Im Grunde ist das Lied nicht mehr als das Bekenntnis einer harmlosen Knutscherei zwischen zwei jungen Frauen. Wer da Anzüglichkeiten hinein interpretiert, der traut dem hübschen Kind des prüden Amerika zu viel zu. Einmal hält sie ein Schild mit der Aufschrift „Penis“ hoch, das sie zu Boden wirft, um darauf herumzutrampeln. Es soll eine Warnung sein an „Boyfriends“, ihren „Girlfriends“ niemals das Herz zu brechen. Und damit hat sich’s.

Perry präsentiert das komplette Album mit viel Herzblut. Dennoch entstehen Längen. „Ich möchte auch die weniger berühmten Songs spielen“, sagt sie, als das Publikum unaufmerksam wird. Als Zugabe interpretiert Perry, in hautengem Catsuit und Katzenöhrchen, „Don’t Stop Me Now“ von Queen, jener Band, die ihr Interesse für Pop weckte. „I Kissed A Girl“ ist der krönende Abschluss des nur 70-minütigen Konzert. Kaum ist der letzte Takt verklungen, geht abrupt das Saallicht an, der Beifall verstummt. Verdattert bemerkt ein Mädchen: „Sie hat sich gar nicht verabschiedet.“ ANKE STEINFADT

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