Abwechslung im Alltag

Hühnerbesuch im Altenheim

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„Rent a Huhn“ im Altenpflegeheim: Zwei Wochen können sich die Bewohner der Häuser Morija und Mamre über den gackernden und eierlegenden Besuch in ihrem Garten freuen und in Erinnerungen schwelgen - dann holt Bauer Lüft seine Hühner erst mal wieder nach Hause ab.

Ober-Roden - Der Wert von Tieren für den Alltag im Pflegeheim darf nicht unterschätzt werden. Im Haus Morija machen jetzt Hühner Urlaub. Von Christine Ziesecke

„Rent a Huhn“ – eine Aktion des Seligenstädter Bauern Lüft – erfreut derzeit die betagten Bewohner im Altenpflegeheim Haus Morija. Auch ein Beitrag in unserer Zeitung hatte Ursula Wagner, eine der Alltagsbegleiterinnen im beschützenden Bereich des Hauses, auf die Idee gebracht, das doch auch im Haus Morija auszuprobieren. Die Christusträger-Schwestern waren nur zu gerne einverstanden, und kurze Zeit später kam Bauer Lüft mit kleinem Stall und niedrigem Zaun angefahren und hatte auch fünf Hühner im Gepäck.

Seit Montag sind diese nun für zwei Wochen auf Urlaub im Garten des Hauses Morija, wo sie den Bewohnern Abwechslung bieten und sie an frühere Zeiten erinnern. „Sie können denen ruhig auch Namen geben – die bekommen eh alle zwei Wochen neue“, schmunzelte der Bauer und versprach, dass es ganz einfach sei, die fünf gackernden Zweibeiner abends in ihr Haus zu bekommen – und dann Klappe zu.

Dem war am ersten Abend wohl nicht ganz so. Die Betreuerinnen hatten ihre liebe Mühe, das hektisch flüchtende Federvieh wohlbehalten zum Schlafen zu bewegen. Eine Überraschung stellten die neuen Mitbewohner auch für Hauskatze Apollo dar, die wie üblich durch ein Fenster in den Garten sprang und plötzlich mitten im kleinen Hühnerhof landete. Die Katze hatte zwar spürbar Respekt vor den Neuen, stolzierte aber gelassen aus dem neuen Kreis heraus.

Hinkel im Stress

Viel Vergnügen haben die betagten Heimbewohner, die sich gegen Mittag zu Fuß, mit Rollator oder sogar im Pflegestuhl vor dem niedrigen Zaun treffen. Sie bestaunen das noch warme Ei, das eine der Betreuerinnen aus dem Stall holt, verfolgen jede Bewegung der neuen Mitbewohner und kramen in ihren Erinnerungen. „Die Hinkel haben den Stress, und die Leute haben das Vergnügen, ein Ei essen zu können“, resümiert ein Bewohner die kleine Ungerechtigkeit.

Unter den Heimbewohnern, die jetzt im Halbkreis um das abgezäunte Stück sitzen, ist auch Heinz Fecher (79). Seit einem Schlaganfall lebt er im Haus Morija. Früher war er lange Jahre im Kleintierzuchtverein Weiskirchen. Er hat gute Ratschläge und reichlich Erfahrungen aus jener Zeit: „Das klappt hier nur, weil die Hühner die Flügel gestutzt bekommen haben – immer nur einer, dadurch verlieren sie das Gleichgewicht und können nicht wegfliegen.“

Mit großen Augen beobachtet Bewohnerin Helma Picard das Treiben, nimmt sich den kleinen Eimer mit den Resten aus der Küche, die nach Bauer Lüft gerne verfüttert werden dürfen, und lockt die Hühner an – und im Nu kommen zwei weitere aus dem kompakten kleinen Hühnerhaus mit der Aufschrift „Rent a Huhn“ heraus und scharen sich um Helma Picard.

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Aktion „Tierischer Sommer“: Bilder unserer Leser (Teil 2)

„Das eine heißt Ute“, beschließt sie, während nebendran noch diskutiert wird, ob Herta oder Hermine wohl passend wären und wie man sich die (fast gleich aussehenden) Hühner wohl merkt.

Hermine Thalhammer, 91, erinnert sich: „Wir hatten im Krieg Hühner, immer so vier oder fünf Stück, dass es so für ein Ei in der Suppe und ab und zu für einen Braten reichte. Das war noch in Bayern in der Nähe von Altötting.“ Gute Erinnerungen an die Vergangenheit krönen den Hinkelbesuch im Altenpflegeheim.

„Ende nächster Woche werden sie leider wieder abgeholt“, bedauert Heimleiterin Sr. Sibylle Heiss jetzt schon. „Aber ich bin mir fast sicher: das wird nicht das letzte Mal sein, dass wir die Tiere hier bei uns zu Gast haben!“

Der Ausleih-Service kostet zum Beispiel für zwei Wochen und fünf Hühner ab 65 Euro inklusive Eier, Futter, Stall und Reinigung. Kontakt: Familie. Lüft, Sackgasse 3, 63500 Seligenstadt, 06182/28066 oder 0163/1632921.

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