Humor-Anarchie

Ein Mann, der sich Anna-Maria Kaiser nennt, steht auf der spinnennetzartig verspannten Bühne und erzählt unter bedrohlich-düsteren Synthesizerklängen Witze, denen die Pointe abhanden gekommen ist. Das ist auf aberwitzige Art komisch. Von Stefan Michalzik

So begann das Konzert der Hamburger Gruppe HGich.T im Offenbacher Hafen 2. Vor Anna-Maria Kaiser ist niemand sicher. Man kann ihn wohl als Stimmungsmacher charakterisieren. Ständig ist er im Publikum unterwegs. Am Ende dürfte es wohl niemanden gegeben haben, mit dem er nicht mindestens einmal in Körper- oder zumindest Blickkontakt getreten ist. Auch pogoartige Tanzscharmützel löst er aus.

HGich.T sind eine Revuetruppe von einer nicht genau bestimmbaren, schätzungsweise ein halbes Dutzend Mitglieder umfassenden Stärke. Tänzerinnen gehören dazu, die Musik wird von zwei Keyboardern produziert. Die blonde Tänzerin und Gelegenheitssängerin Maike Schönfeld bietet freundlich Bananen oder Äpfel zum Abbeißen an. Eine Polonaise wird gestartet. Und das Rauchverbot ist an diesem Abend, der dem Exzess gewidmet ist, irgendwann vergessen.

„Ohne Wasser keine Lösung“, so lautet eine der Formeln, die Anna-Maria Kaiser in einem der mit Techno- und Trancebeats unterlegten Songs ausgibt. Einen Sinn sollte bloß niemand suchen. Die Texte sind Ausgeburten eines frei fließenden Bewusstseinsstroms. Jugendfrei sind sie nicht immer.

Anna-Maria Kaiser geht über Grenzen. Mitunter geht er auch zu weit. Unglaublich ist wohl das einzige Wort, mit dem man dieser Show gerecht zu werden vermag. HGich.T können für sich beanspruchen, derzeit das anarchistische Phänomen des deutschen Humors zu sein. Künstlerisch spielen sie in einer Liga mit Helge Schneider und Studio Braun.

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