Ibrahim kämpft für Seelenfrieden

Frankfurt - In den vergangenen Jahren tritt Abdullah Ibrahim, der sich vor seiner Konvertierung zum Islam Dollar Brand nannte, vornehmlich im Rahmen seines langjährig konstant besetzten Trios in Erscheinung, mit dem er nun im Frankfurter Mousonturm gastierte. Von Stefan Michalzik

Die Konzerte von Abdullah Ibrahim gleichen einer Übung in der Kunst der Kontemplation. Der südafrikanische Pianist, der fast die Hälfte seines Lebens im Exil, zunächst in Zürich, bald in New York verbracht hat, und sich für die Ziele der verbotenen schwarzen Befreiungsorganisation African National Congress (ANC) einsetzte, überführte, in einer geistigen Verwandtschaft zu John Coltrane, die neu eroberte Freiheit des Jazz der Sechziger Jahre eine spirituelle Dimension. Zudem brachte er die Errungenschaften der Jazz-Moderne mit der Musik seines Heimatkontinents zusammen und war damit ein Pionier der sogenannten Weltmusik, zwei Jahrzehnte bevor dieser Begriff in den Achtziger Jahren geprägt wurde.

In den vergangenen Jahren tritt Abdullah Ibrahim, der sich vor seiner Konvertierung zum Islam Dollar Brand nannte, vornehmlich im Rahmen seines langjährig konstant besetzten Trios in Erscheinung, mit dem er nun im Frankfurter Mousonturm gastierte. Der Pianist, der auf Einladung von Nelson Mandela seit 1990 wieder überwiegend in Südafrika lebt, bewegt sich seit langer Zeit schon beständig in den Koordinaten eines früh ausentwickelten Personalstils.

Das Spiel Ibrahims, der vor einem Monat 75 Jahre alt geworden ist, ist noch immer auf eine mehr als nun gepflegte Weise brillant, Überraschungen aber bleiben aus. Seine beiden Musiker sind, jeder auf seine Weise, nicht die Persönlichkeiten, die im Stande wären, Ibrahim ernstlich zu fordern (was ihm gut tun würde). Der Bassist Belden Bullock ist ein zurückhaltender Charakter, der den Begriff des „Begleiters“ nur zu wörtlich nimmt. Wenn George Gray dem Schlagzeug gleichsam eine melodische Dimension erschließt, mit Anklängen an die afrikanische Trommelkunst, entstehen immer wieder Augenblicke eines intensiven musikalischen Dialogs mit dem Klavier. Als Rhythmiker freilich rattert Gray alles nieder, was ihm in den Weg kommt.

Es ist vor allem der musikalische Impressionismus, im Speziellen die Musik von Claude Debussy, die das Spiel Abdullah Ibrahims prägt. Die lässig swingende Eleganz erinnert an die pianistische Seite seines Entdeckers Duke Ellington. Das Klangbild ist in weiten Teilen ausgesprochen leise. „South African sunshine – see how the guns shine“, reimte Ibrahim noch in den Achtziger Jahren in seinen Konzerten. Heute ist er ein Kämpfer für den Frieden der Seele.

Rubriklistenbild: © Pixelio

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