Chailly mit Mahlers Siebter in Frankfurt

Imaginäres Klang-Theater

Frankfurt - Wie auf einer imaginären Bühne bewegt sich Gustav Mahlers recht selten aufgeführte siebte Sinfonie: Von Axel Zibulski 

Gitarre und Mandoline begleiten zwischendurch ein Nacht-Ständchen, die Pauken jubeln Hymnen, und die Streicher dürfen mit manchen bewusst verschmierten Tonübergängen ganz unverblümt an derlei Unarten aus Orchestergräben erinnern. Und zwar besonders deutlich, wenn Riccardo Chailly dirigiert, so wie nun in der Alten Oper Frankfurt.

Als einziger Programmpunkt erklang Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 7 e-Moll beim jüngsten Gastspiel des Gewandhausorchesters Leipzig. 80 Minuten, in denen Chailly just das nachschärfte, was manche Mahler-Anhänger an diesem Werk kritisieren. Etwa den ganz äußerlichen, forcierten und wie ungebrochenen Dur-Jubel im letzten der fünf Sätze. Den kanzelte besonders deutlich der Mahler-Apologet Theodor W. Adorno ab - als „ohnmächtiges Missverhältnis zwischen der prunkvollen Erscheinung und dem mageren Gehalt des Ganzen“.

Dabei überführte der Wiener Hofoperndirektor ihm von der Bühne bestens Vertrautes vielleicht nur besonders deutlich ins eigene Werk. Die verschattete „Nachtmusik“ des zweiten Satzes etwa ist von schwarzromantischer Bildhaftigkeit, das folgende Scherzo könnte als nicht weniger gespenstisches Szenen-Intermezzo dienen. Zu solchen Gedanken lud die entschiedene Deutung durch den 1953 geborenen Mailänder Chailly geradezu ein. Und das Gewandhausorchester, das selbst in der Doppelrolle eines Konzert- und Opernorchesters auftritt, ging diesen Weg gut verständlich, überzeugt und konsequent mit: Die sogar im Leisen und Feinen gestisch sprechenden Streicher etwa gehörten zu den starken Seiten dieser am Ende mit großem Jubel gewürdigten Mahler-Interpretation.

Die Beatles - ein Mythos

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Dass freilich auch das Gewandhausorchester nicht über alle technischen Zweifel erhaben ist, bestätigten unerwartet deutlich die Blechbläser: Unsaubere Tonansätze der Hörner, eine punktuell schwache Koordination innerhalb der Trompeten-Gruppe irritierten gerade in den beiden ersten Sätzen, auch wenn ansonsten das schnelle, manchmal scherenschnitthafte Umschalten zwischen tönenden, später sogar von Kuhglocken garnierten Idyllen und jäh-drängender Dramatik durchweg vorbildlich gelang. Und dass Nachdruck und Leidenschaftlichkeit wichtiger sein können als bloß glänzende Präzision, hatte das Frankfurter Publikum in der nahezu ausverkauften Alten Oper ohnehin für sich entschieden.

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