Wie immer alles neu

+
Die niederländische Violinistin Janine Jansen, stolze Besitzerin einer Stradivari, ist „Artist in Residence“.

Frankfurt - Ein Gastdirigent, sagt Paavo Järvi, verwende die Hälfte der Zeit darauf, das Orchester zu beeindrucken. „Die andere Hälfte der Zeit beeindruckt das Orchester dich.“ Von Markus Terharn

Über die Phase sind der 47-jährige Este und das hr-Sinfonieorchester längst hinaus: In der Spielzeit 2010/11, der fünften gemeinsamen, können sie sich voll darauf konzentrieren, ihr Publikum im Saal und über den Sender zu beeindrucken. Ein tolles Verständnis habe man gefunden, versichert der Chef, lobt exzellente Solisten und homogenes Ensemble: „Das Orchester klingt besser, als ich es je gehört habe!“ So liege der Schwerpunkt der Arbeit weiter auf der Qualität. In der neuen Saison sei „alles neu und alles wie immer“.

Wie immer“ heißt, dass die großen Zyklen fortgesetzt werden. Den Doppeljubilar Gustav Mahler (150. Geburtstag 2010, 100. Todestag 2011) ehrt Järvi selbst mit Aufführungen der 5. und 7. Sinfonie beim Rheingau Musik Festival. In der Alten Oper Frankfurt interpretiert David Zinman die Sechste, Ex-Chefdirigent Eliahu Inbal die „Kindertotenlieder“ – als Premiere für das Orchester – und Gian andrea Noseda die Erste. Anton Bruckner, ebenfalls von Anfang an zyklisch gepflegt, kommt mit der Zweiten zu seinem Recht. Ziel sind alle Mahler-Sinfonien auf DVD, alle Bruckner-Sinfonien auf CD. „Wir tun das nicht aus Eitelkeit, es setzt Standards“, betont Järvi und scherzt: „Nur so können wir unserem eigenen Ruf gerecht werden.“

Erfreulich: Die Preise bleiben stabil

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Orchesters.

Weiter will der uneitle Pultstar Hessen davon überzeugen, dass der Däne Carl Nielsen gute Musik geschrieben hat, mit dessen 3. und 5. Sinfonie. Schwerpunkt ist zudem Dmitrij Schostakowitsch; von ihm erklingen die selten zu hörende 12. Sinfonie (unter Inbal), die 5. (unter Stanislaw Skrowaczewski) und das 1. Violinkonzert. Mit diesem Werk lässt sich die niederländische Jung-Geigerin Janine Jansen vernehmen, die als „Artist in Residence“ gleich vier Reihen bespielt: Lunchkonzert, Junges Konzert, Barock plus und hr-Sinfoniekonzert. Fortgeführt werden die Reihen Debüt, Forum Neue Musik, Musik und Film, Musik und Schule, Kinderkonzert, Instrumenten-Zoo und Hessen-Schultour sowie Auftritte im Sendegebiet. Dazu kommt Kammermusik.

Gäste sind unter anderem am Pult Philippe Herreweghe, Antonello Manacorda, Jean-Christophe Spinosi und Kristjan Järvi, am Piano Ewa Kupiec, Yefim Bronfman und Lise de la Salle, an der Violine Leonidas Kavakos und Kirill Troussov sowie Mezzosopranistin Nathalie Stutzmann. Erfreulich: Die Preise bleiben stabil – nur bei Kinderkonzerten zahlen Erwachsene einen Euro mehr, Karten fürs aufwändige Music Discovery Project verteuern sich.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare